Einen Tag nachdem zahlreiche Medienberichte über ein bevorstehendes Ende der LIV-Golf Tour spekulierten, hat CEO Scott O'Neil derartige Gerüchte entschieden zurückgewiesen: „Ich möchte ganz deutlich sein: Unsere Saison läuft genau wie geplant - mit voller Kraft und ohne Unterbrechung."
„Während die Medien oft von Spekulationen dominiert wird, definiert sich unsere Realität durch das, was auf dem Rasen geschieht", stellte O'Neil in einer internen Mitteilung an Spieler und Mitarbeiter klar.
LIV und die Dringlichkeitssitzung in New York
Während Jon Rahm nach seinem verpassten Cut beim Masters nunmehr im sechsten LIV-Golf Event des Jahres in Mexico-City mit seinem Sieg (-23) weitere 4 Millionen Euro aus dem noch prall gefüllten Preisgeldtopf auf sein Konto überführte, tagten die Verantwortlichen des saudischen Public Investment Fund (PIF) in einer Dringlichkeitssitzung in New York.
Wie die LIV die PGA in Aufruhr brachte
Seit Gründung der LIV Golf Serie vor fünf Jahren sind bereits über 5,3 Milliarden Dollar in das Projekt geflossen. Zahlreiche Stars der Szene wie Bryson DeChambeau, Sergio Garcia Cameron Smith, Phil Mickelson, Jon Rahm und Martin Kaymer folgten dem Ruf des Geldes, und brachten die schöne, heile PGA-Welt in Aufruhr.
Allein die Vertragsunterzeichnungen zum Start der Serie ließ sich der saudische Staatsfonds eine Milliarde Dollar kosten. Sportlich blieb die Liga bisher allerdings ohne Relevanz, die Einschaltquoten bleiben verschwindend gering. Von einer realistischen Chance auf Profitabilität ist das Abenteuer LIV Jahre und Meilen entfernt.
Erhöhung der Preisgelder und angepasstes Konzept für 2026
Das Konzept nicht vier sondern nur drei Runden (LIV=54 Loch) ohne Cut und im Kanonenstart zu spielen, setzte sich aus verschiedenen Gründen nicht durch, sodass mit dem Beginn der aktuellen Saison der Name LIV eigentlich ad absurdum geführt wurde und fortan, wie in allen anderen Tourformaten, auch vier Runden gespielt wird. Da die Anzahl der Spieler auf 52+5 Profispieler begrenzt ist, gibt es weiterhin keinen Cut. Außerdem wurden die üppigen Preisgelder nochmal auf 30 Millionen Dollar pro Event erhöht.
Weltranglistenpunkte und die LIV
Die alles entscheidende Frage jedoch ist: Kamen diese Maßnahmen zu spät? Denn alles Geld kann einen Vollblutsportler letztendlich nicht dafür entschädigen, dass der eigene Name in der Weltrangliste ins Unbedeutende abrutscht, weil die begehrten Punkte dafür bei LIV-Events bis jetzt nicht zu erzielen waren. Denn erst seit 2026 erhalten die Top-Ten-Platzierungen offizielle Weltranglistenpunkte (OWGR).
Golf-Athleten wechseln zurück zur PGA
Brooks Koepka und Patrick Reed waren die ersten, die ein Rückkehrfenster nutzten und den Weg zurück in die PGA einschlugen. Andere wie DeChambeau und Smith bleiben zunächst und lehnten Rückkehr-Angebote trotzig ab. Den vielen weiteren ohne Major-Sieg scheint ein neuer Zugang zur alten Tourheimat in letzter Konsequenz sowieso auf lange Zeit verschlossen.
Bleibt die LIV Golf 2027 bestehen?
Doch auch wenn CEO O'Neil sich kämpferisch gibt und die Kontinuität der laufenden Saison beschwört, verdichten sich die Anzeichen, dass die Geldgeber sich strategisch neu ausrichten. Zu einer Existenzgarantie über das Jahr 2026 hinaus lässt sich in diesen Tagen keiner der Beteiligten hinreißen.
Die Gründe dafür liegen nicht nur in finanziellen Belangen, sondern auch in einer veränderten globalen Strategie Saudi-Arabiens. In den vergangenen Jahren wurde der Public Investment Fund im Rahmen des Saudi-Arabischen Wirtschafts- und Sozialreformprogramms „Vision 2030“ genutzt, um das Image des Landes durch Investitionen in Sport, Unterhaltung und Technologie zu fördern.
Krieg im Iran erfordert umdenken in Saudi-Arabien
Die geopolitische Lage, insbesondere die regionalen Spannungen im Zusammenhang mit dem Iran, zwingt den Fonds jedoch zu einer vorausschauenderen Mittelverwendung. Die aktuelle Strategie des PIF konzentriert sich stärker auf inländische Projekte und stellt höhere Anforderungen an die finanzielle Performance ausländischer Investitionen.
Vor diesem Hintergrund wird LIV Golf, als ein Projekt, das nach wie vor keine ausreichend große Fangemeinde gewonnen hat und weiterhin Verluste erwirtschaftet, derartige neue Kriterien voraussichtlich nicht erfüllen.
Ungewisse Zukunft für Golfer der LIV
Auffällig ist, dass LIV Golf, in der Vision 2030 erwähnt wurde, aber nun nicht mehr in den aktuellen Werbematerialien auftaucht. Die Entwicklung bringt die Spieler und Mitarbeiter, die die Zukunft ihrer Karriere auf die LIV aufgebaut haben in ein Dilemma. Sollte das Projekt scheitern, ist ihre Zukunft im Golfsport ungewiss. Eine Rückkehr in die PGA ist nicht einfach, allenfalls sanktioniert, wenn gar unmöglich.
Umstrukturierung oder Privatisierung der LIV?
So spukt auch eine mögliche Umstrukturierung und Neuorganisation ohne den PIF in den Köpfen der Verantwortlichen herum. Martin Kaymer wirbt beispielsweise leidenschaftlich dafür, auch in Deutschland ein LIV Event zu etablieren. Von dem Versuch einer erneuten Annäherung an die PGA bis zur „Privatisierung“ der dreizehn LIV-Mannschaften in autonome und sponsorenfinanzierte Teams nach dem Vorbild der Formel 1 liegen darüber hinaus interessante Konzepte für eine LIV 2027 auf dem Tisch.
Diese Golfnews könnten dich auch interessieren
PGA vs. LIV und das unmoralische Angebot:
Das "Returning Member Program": Brooks Koepka verlässt die LIV-Tour und kehrt zurück zur PGA: Jetzt lesen!