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Veröffentlicht am: 22.01.2026 09:03, Lesezeit: 2 Minuten

PGA vs. LIV und das unmoralische Angebot

Jon Rahm lehnte das Rückkehr-Angebot ab

Im März ist es bereits vier Jahre her, dass der ehemalige Weltranglistenerste Greg Norman die mit Mitteln des saudi-arabischen Staatsfonds gegründete LIV-Tour als CEO ins Leben gerufen hat. Mit der schieren Macht des Dollar-Milliarden sollte die Revolution gegen die etablierten Touren der PGA und ihrer europäischen Partner gelingen.  

Das Konzept war einfach gestrickt: Wenn Geld nicht wirklich eine Rolle spielt, kauft man sich die Stars halt einfach Mann für Mann aus der PGA raus. Die Fans würden ihren Idolen dann schon folgen, so der Plan.

Von der PGA Championship zur LIV-Tour?

Für Phil Mickelson, als einer der Ersten, die das LIV-Konzept als Gegenpol zur PGA begrüßten, eine klare Sache: Gerade hatte „Lefty“ mit fast 51 als ältester Majorsieger überhaupt die PGA Championship gewonnen und so seinen Marktwert nach neun Jahren ohne Majorsieg aufpoliert.

Für den Altstar lautete die einfache Devise: Mehr Geld für weniger Arbeit, denn in der LIV-Tour sollten die Wochenenden wie der Name schon sagt nur noch 54 Loch lang sein, einen Cut sollte es nicht geben und die Preistöpfe waren prall gefüllt bis Platz 48.

Der Lockruf der Petrodollars: Golfstars wechseln zur LIV

Weitere klangvolle Namen, wie Sergio Garcia, Martin Kaymer, Dustin Johnson, Jon Rahm, Cameron Smith, Brooks Koepka und Bryson DeChambeau fanden sich unter den vier Dutzend, die dem Lockruf der Petrodollars aus Saudi-Arabien folgten. Tiger Woods und Rory McIlroy widerstanden hingegen mutmaßlichen Milliardenangeboten aus dem Golfstaat, und sparten nicht an Spott und Verachtung gegenüber den Überläufern.

Die PGA verbannte die Abtrünnigen auf Lebenszeit von allen Turnieren der Tour; ein zunächst nach purer Hilflosigkeit erscheinender Schachzug, um weiteren wechselmütigen Stars den erhobenen Zeigefinger zu präsentieren: Man solle tunlichst alle Gedanken in Richtung LIV schnellstens verwerfen, möchten einem nicht auf ewig Ruhm und Ehre der großen Golfwelt verwehrt bleiben. 


Ziel der Vormachtstellung verfehlt: Die Schwächen im LIV-Konzept


Heute, vier Jahre später offenbaren sich die Schwächen im LIV-Tour Konzept – insbesondere wird deutlich, dass Geld allein eben doch nicht alles möglich und alle glücklich macht, und dass sich Faszination und Fanbegeisterung eben nicht beliebig kaufen lassen.

So wie ein Cristiano Ronaldo aus einer saudischen Fußballliga trotz allerlei Zauberei keine Champions-League zu erschaffen imstande ist, so hat es auch die LIV-Tour bislang nicht vermocht, aus dem Golfstaat ein Golfland mit relevantem Interesse beim Zuschauer zu erzeugen. Während ein PGA-Sonntag in den USA im Schnitt über drei Millionen Zuschauer vor die Geräte lockt, sehen die LIV-Events bei FOX meist nur wenige Hunderttausend.

Die Relevanz der Golf-Weltrangliste

Schwerer dürfte für die Akteure wiegen, dass nach wie vor keine Weltranglistenpunkte für die LIV-Runden vergeben werden. So rutschen die LIV-Spieler im internationalen Ranking (OWGR) Jahr für Jahr weiter ab - und langsam aus der Wahrnehmung der Öffentlichkeit heraus, während bei PGA und DP-World Tour gleichzeitig neue Idole gemacht werden.

LIV passt das Tourkonzept an

Eine Qualifikation zu den tourübergreifenden Major Turnieren wird den LIV-Stars zudem ohne Weltranglistenpunkte so gut wie unmöglich, sofern sie nicht zufällig in der Vergangenheit mal ein Masters im grünen Jacket verlassen haben. Um hier gegenzusteuern ist man inzwischen bei LIV sogar bereit, dem eigenen Namen untreu zu werden und seit diesem Jahr erstmals die PGA übliche 72 Loch Woche einzuführen.

Auch wenn der Name dann nicht mehr Programm ist, wird man auf eine Umbenennung in „LXXII-Tour“ wohl verzichten. Ob die Anpassung dem OWGR Genüge tut, um LIV-Turniere in der Rangliste zu berücksichtigen bleibt trotzdem fraglich.

Returning Member Program: Koepka macht den Anfang

Inmitten dieser Akzeptanzkrise platzte im vergangenen Dezember die Nachricht, dass LIV Legionär Brooks Koepka die Rückkehr zur PGA anstrebt. Als Zugeständnis für die Fans und mit der Überzeugung, dass die besten Golfer dieser Welt auf einer Tour gegeneinander antreten sollten, habe die PGA die lebenslange Sperre unter bestimmten Voraussetzungen und Auflagen im Rahmen eines einmaligen und zeitlich limitierten „Returning Member Program“ ausgesetzt.

LIV Chef Scott O'Neil sprach in Bezug auf den Koepka Wechsel von gegenseitigem Einvernehmen. PGA CEO Brian Rolapp legte indes nach und richtete das Programm am 12. Januar dann an alle LIV-Spieler, die zwischen 2022 und 2025 ein Major gewonnen haben. Neben Koepka gehören British Open Sieger Cameron Smith, US Open Gewinner Bryson DeChambeau und der Sieger des 2023er Masters Tournament Jon Rahm zu den so genannten Qualifizierten. 

Rahm und Smith lehnen Rückkehr-Angebot ab

Während Koepka sich bereiterklärte, als Auflage unter anderem fünf Millionen Dollar für einen gemeinnützigen Zweck zu spenden und damit bereits beim PGA Farmers Insurance Open ab dem 29. Januar aufteen wird, erklärte der Spanier Rahm, dass er nicht die Absicht habe „irgendwohin zu gehen“.  Ebenso deutlich die Absage von Cameron Smith:  Der Australier sei absolut zufrieden mit seiner gegenwärtigen Situation und freue sich noch viele Jahren auf der LIV-Tour zu spielen.

Auch DeChambeau bleibt 2026 der LIV-Tour treu

Aus Sicht der PGA wäre die Rückkehr von Bryson DeChambeau sicher der größte Coup gewesen. Der Amerikaner kokettierte bei seinen Social Media Followern wenige Tage mit Rückkehrgedanken und hielt in einem Instagram-Post schulterzuckend ein Exit Schild in die Kamera, bleibt aber letztendlich zumindest für die Saison 2026 Mitglied der LIV-Gemeinde.

Das Member Returning Program der PGA ist ausdrücklich bis zum 2. Februar limitiert. Ob sich später noch einmal eine neue Rückkehroption für die Akteure der LIV-Tour ergeben wird, steht allerdings in den Sternen.

Fotonachweis: Droopydogajna, Masuti, Dwong 19, Dreamstime.com

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