Gesundheit
Veröffentlicht am: 24.10.2026 15:00, Lesezeit: 4 Minuten

Mehr als eine Prothese: Wie neue Technologien Lebensqualität zurückgeben

Fortschritte in den Bereichen Chirurgie, Neurotechnologie und Rehabilitation eröffnen neue medizinische Möglichkeiten für Menschen, die einen Arm oder eine Hand verloren haben, wie mehr motorische Funktionen, Unabhängigkeit und Teilhabe. Während des Online-Symposiums am 22. September 2026 diskutierten führende ExpertInnen, wie Innovationen die Behandlungswege dafür nachhaltig verändern können.

Dr. Andreas Hahn (Corporate Vice President Clinical Research and Services, Ottobock Healthcare Products GmbH – Wien, Österreich), Moderator der Veranstaltung, hob hervor: „Es ist faszinierend zu sehen, wie stark sich die Versorgung von Menschen mit einer Armamputation weiterentwickelt hat und gleichzeitig zu erkennen, dass noch so viel Potenzial vor uns liegt.“

Aus unterschiedlichen Perspektiven teilten die RednerInnen eine gemeinsame Botschaft: Die Zukunft der Armprothetik hängt davon ab, die Verbindungen zwischen Gehirn, Körper, Technologie und den interdisziplinären Behandlungsteams zu stärken, die die PatientInnen während ihrer Rehabilitation unterstützen.

Die Zukunft der Amputationsmedizin

Dr. Jennifer Ernst (Leiterin der Abteilung für Innovative Amputationsmedizin, Klinik für Unfallchirurgie, Medizinische Hochschule Hannover, Deutschland) erläuterte, wie sich die Versorgung bei Amputation über den reinen Ersatz einer fehlenden Gliedmaße hinaus weiterentwickelt hat. So liegt der Fokus heute zunehmend auf der Wiederherstellung funktioneller Verbindungen zwischen PatientInnen und ihrer Umwelt.

Sie betonte, dass eine Amputation nicht länger als ein einzelner chirurgischer Eingriff betrachtet werden sollte. Stattdessen sei die Amputation als Beginn eines lebenslangen Betreuungsprozesses zu verstehen, der Schmerztherapie, die langfristige Gesundheit des Stumpfes, die motorische Kontrolle, Prothesenversorgung sowie soziale Teilhabe umfasst.

Mensch-Maschinen-Schnittstellen in Prothesen

Basierend auf chirurgischen Innovationen wie der Osseointegration, Targeted Muscle Reinnervation (TMR) and Agonist-Antagonist Myoneural Interface (AMI) beschrieb Dr. Ernst, wie ChirurgInnen mehr und mehr dazu beitragen, biologischen Voraussetzungen für intuitivere Mensch-Maschine-Schnittstellen zwischen Gehirn, Körper und fortschrittlichen Prothesenlösungen zu schaffen.

„Die Zukunft der Amputationsmedizin ist nicht nur eine bessere Prothese. Es geht um eine bessere Verbindung zwischen Gehirn und Körper, Körper und Technik, Disziplinen und letztlich dem Menschen und seinem Leben“, so Dr. Ernst.

Möglichkeiten und Grenzen bei der Rekonstruktion

Prof. Dr. Oskar Aszmann (Leiter des Zentrums für bionische Extremitätenrekonstruktion, Medizinische Universität Wien, Österreich) beleuchtete die Möglichkeiten und Grenzen die biologischen und technologischen Ansätze bei der Rekonstruktion der oberen Extremitäten zu kombinieren. Anhand klinischer Beispiele zeigte er, wie moderne Rekonstruktionsverfahren dabei helfen können, wichtige sensorische und motorische Funktionen wiederherzustellen.

Darüber hinaus hob Prof. Dr. Aszmann die erhebliche Repräsentation der menschlichen Hand im sensomotorischen Kortex hervor und betonte die Notwendigkeit einer Wiederherstellung der Verbindungen. Um wichtige motorische Funktionen wiederherzustellen, unterstrich er die Bedeutung einer gemeinsamen Entscheidungsfindung mit den PatientInnen.

Nerventransfer als Behandlungsmöglichkeit

Mit seinem Ansatz „Biology-First“ machte Prof. Dr. Aszmann deutlich, dass Techniken wie Osseointegration und Nerventransfer zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten bieten können, wenn biologische Lösungen an ihre Grenzen stoßen. Der Einsatz dieser Techniken in Verbindung mit einem Muskeltransfer hat in jüngster Zeit einen Durchbruch insbesondere bei der Behandlung neurologisch geschädigter Extremitäten gebracht und das Spektrum der rekonstruktiven Chirurgie erweitert.

Obwohl durch die Fortschritte in der Prothetik, insbesondere durch die Implantat-Technologie, die Behandlungsmöglichkeiten kontinuierlich wachsen, betonte er, dass Technologie biologische Funktionen zwar unterstützen, aber nicht ersetzen kann.

Der Verlust von Gliedmaßen beeinträchtigt auch die persönliche Identität

Dr. Agnes Sturma (Leiterin des Departements Gesundheitswissenschaften, FH Campus Wien, Österreich) erklärte, dass der Verlust von Gliedmaßen nicht nur die körperliche Funktion, sondern auch die persönliche Identität beeinträchtigt. Deshalb sind eine individuell abgestimmte Rehabilitation und ein realistisches Erwartungsmanagement für erfolgreiche Ergebnisse unerlässlich.

Angesichts der Komplexität von Amputationen der oberen Extremitäten und der rasant zunehmenden Anzahl technologischer Optionen plädierte Dr. Sturma für gemeinsame Entscheidungsprozesse, die klinisches Fachwissen mit den persönlichen Zielen, Bedürfnissen und Präferenzen der PatientInnen verbinden.

Textquelle: Ottobock

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