Life & Style
Veröffentlicht am: 14.04.2026 09:30, Lesezeit: 7 Minuten

Den Ryder Cup aus nächster Nähe erleben

Brite Matt Fitzpatrick bei seinem Zauberschlag von der Bunkerkante

Was schenkt man einem Golfer zum Wiegenfest? Dazu mag es vielfältige Ansätze geben. Eine richtig gute Idee hatten Harald Scholls Kinder. Ihrem in Kassel-Wilhelmshöhe aktiven Dad überreichten die beiden zum 60. Geburtstag ein besonderes Präsent, nämlich zwei Tickets für den Ryder Cup in Amerika. Wenn schon, denn schon, mag sich der erfreute Unternehmer gedacht haben – und gestaltete um das Highlight herum eine ereignisreiche zwölftägige Reise nach New York, die er zusammen mit Ehefrau Nicole antrat.

Großes Public-Viewing am Rockefeller Center

Den Auftakt des traditionsreichen Team-Wettbewerbs zwischen den besten amerikanischen und europäischen Assen verfolgte das Duo am Freitag beim Public-Viewing am Rockefeller Center, das gerade mal zehn Minuten vom Hotel entfernt liegt – dort, wo im Dezember der berühmte große Weihnachtsbaum neben der gigantischen Eisfläche in den Himmel ragt und die Vorfreude auf das bevorstehende Fest wachsen lässt.

Auf zwei riesigen Großbildschirmen schauten sich die Nordhessen die Partien an, zusammen mit tausenden Fans beider Lager. Kleiner Gag am Rand: Ein Hersteller organisierte dort ein Gewinnspiel für die Anhänger. Fortuna zeigte sich Nicole Scholl gewogen – und sie nahm einen Putter im Wert von 500 Dollar mit nach Hause.

Riesige Golfarena beim Ryder Cup

Am Samstag galt es, früh aufzustehen. Um 5.30 Uhr brach das Ehepaar auf. Im erstaunlich spärlich besetzten Zug ging es nach Long Island. Nach 50 Minuten erreichte man das Ziel, wo schon deutlich mehr los war. Busse standen bereit, um die Fans aufzunehmen und zur riesigen Golfarena zu bringen.

Fehlende Fairness abseits des Fairways bei Golffans

Während einige US-Fans später überaus unsportlich bis unflätig gegenüber den Cracks aus der alten Welt auftreten sollten, war das zu dem Zeitpunkt noch keineswegs zu beobachten.

„Man erkannte uns Europäer anhand unseres Outfits. Wir wurden freundlich behandelt – so wie man das auch sonst von den Amerikanern kennt“, fasst Harald Scholl zusammen.

Im Gegenteil, die Einheimischen hätten ihre Gäste mit Willkommensgesten bedacht – und beispielsweise gefragt, „ob wir ein Foto wünschten“. So sieht Fairness abseits des Platzes aus!

Über 50.000 Fans am Tag

Am Ryder-Cup-Gelände angekommen, zeigten sich die Fans aus Deutschland beeindruckt von den schieren Dimensionen der Location. Was kaum verwundern kann – angesichts der Menschenmassen. Immerhin galt es, über 50.000 Menschen pro Tag an den mehr als 30 Eingängen einzulassen.

Zunächst orientierten sich Nicole und Harald Scholl in Richtung der Bahnen 1 und 18.

„Viele der großen Tribünen waren schon kurz nach 7.00 Uhr weitgehend gefüllt“, blickt die Nordhessin zurück.

Dann ließen sich beide von der Menschenmenge treiben. An den Bahnen 10 bzw. 11 machten die Scholls gegen 9.00 Uhr Station und warteten auf die Dinge, die da kommen würden. Und sie kamen…

Matt Fitzpatrick an Bunkerkante 

Morgens werden 18 Löcher, nachmittags weitere 18 Bahnen gespielt. Anfangs ist der Bestball-Modus Trumpf, dann geht’s im Klassischen Vierer weiter. Nachdem der erste Flight um 7.00 Uhr gestartet war, trafen die Aktiven wenig später dort ein.

„Bis auf zehn bis zwölf Meter Entfernung kommt man an die Spieler heran“, beschreibt Harald Scholl.

So beobachteten er und seine Frau unter anderem den Briten Matt Fitzpatrick. Dessen Ball lag an einer Bunkerkante, was ihn zunächst ein wenig nachdenklich aussehen ließ. Wie sollte er den Ball spielen? Doch kein Problem für ihn: Fitzpatrick erwischte das Spielgerät glänzend, so dass die Kugel lediglich leicht hinter der Fahne herunterkam. Mit dem Ergebnis, dass das Loch geteilt wurde. Wahnsinn!

Harald Scholl: „Wenn man mit dem Verlauf der Bahnen und der Topografie nur mäßig vertraut ist, dann fällt es schwer, sich passend zu platzieren. Optimal ist es, nach dem Abschlag die Landezone in etwa 300 Yards Entfernung anzusteuern, wo dann der zweite Schlag folgt.“

Die besten Golfer der Welt an einen Ort

Aus 130 Yards schlagen die Asse den Ball direkt an die Fahne – mal 80 Zentimeter weg, mal anderthalb Meter, mal drei Meter. Weiter weg geht kaum, das ist die große Ausnahme. „Mit welchem Selbstverständnis die besten Spieler der Welt das machen, ist kaum zu fassen“, betont Scholl.

Self-Service bei Burger, Hot-Dogs und Chips

Als Fans von Rory McIlroy begleiteten die Scholls den Iren über zwei Bahnen, an den Löchern 12 und 13. Mit durchwachsenem Erfolg. Denn die Sicht auf die Aktiven erwies sich in der Phase als eher suboptimal. „Wer dann in der dritten Reihe steht, der sieht nicht viel“, so Ehefrau Nicole Scholl.

Danach legte das Paar eine Pause ein und verfolgte die Cracks über die überall aufgehängten Bildschirme. Sie suchten diverse Markplätze auf, wo man sich stärken konnte. Bei Burgern, Hot Dogs, Chips, Cookies und Soft-Drinks war Self-Service angesagt. Jeder bediente sich und sorgte für die gewünschte Stärkung. Bei Sonnenschein, blauem Himmel und 25 Grad Celsius ließ es sich aushalten…

Hitzköpfe rufen dazwischen: Krawall beim Ryder Cup

Am Nachmittag ging das Paar zu Bahn 5. An einem kleinen Hang erwischten sie einen guten Spot, um die Aktionen der Spieler zu verfolgen. Kleiner Schönheitsfehler: An dem Grün registrierten die deutschen Besucher, dass einzelne Hitzköpfe es sich nicht nehmen ließen, die Europäer mit Zwischenrufen zu irritieren – etwa beim Putten und der Vorbereitung dazu. „Fuck you“ gehörte noch zu den milderen Varianten.

Keine Frage: Eintrittspreise von über 700 Dollar schrecken gestörte Köpfe keineswegs ab, ihren ungezügelten verbalen Schwachsinn in die Umwelt zu pusten. Sich fair zu verhalten, ist leider nicht jedermanns Sache. Da ist die Golfszene ein Spiegel der Gesellschaft. Nicht mehr, nicht weniger.

„Da hätte ich mir einige amerikanische Fans mehr gewünscht, die ihre unpassend auftretenden Landsleute zur Räson gebracht hätten“, macht Scholl deutlich.

Und bedauert, dass einige wenige das Image der breiten Masse beschädigt haben. Schön, dass es aufrechtere Cracks wie Tom Watson gibt, der wenig später sein großes Bedauern über die lautstarken Krawallmacher zum Ausdruck brachte!

Profigolf trifft pure Spannung und Wettkampfsgeist

Schließlich verfolgte das Duo an Bahn 17, gemeinsam mit mehreren tausend Zuschauern, das aufregende Geschehen. Ausgelassene Partie-Stimmung prägte die Szenerie an dem Par 3. Mit dem besseren Ende für die Europäer, die am Freitag und Samstag die Szenerie dominierten. Bevor es am Ende erneut spannend werden sollte.

Harald Scholl beeindruckte vor allem dies: „Wenn die Spieler, egal welcher Coleur, leicht vom Fairway abkommen und im Semi-Rough oder Rough landen, so finden sie immer wieder einen Weg zurück auf die Bahn – und verlieren nur selten einen Schlag.“

McIlroy gab an Bahn 15 ein Beispiel seines faszinierenden Könnens: Mit einem fulminanten Draw zauberte er den links neben dem Fairway gelandeten Ball aus ungünstiger Lage heraus an die Fahne. Seine Fans waren völlig aus dem Häuschen!

Europäisches Team im Ausnahmezustand

Am Sonntag fanden sich die Scholls erneut am Rockefeller Center ein. Spannung pur war angesagt, eine fesselnde Atmosphäre herrschte. Vor Ort waren die Europäer in der Mehrheit. McIlroy verlor gegen Scheffler. „Ihm merkte man die große psychische Belastung an. Er war mental nicht so gut drauf wie zuvor“, blickt Scholl zurück.

Dann kam der große Moment, der finale Putt von Shane Lowrie fiel – und die Europäer explodierten im Jubel. „Da waren wir fix und fertig, eine unglaubliche Sache, Emotionen pur“, räumt der Wilhelmshöher ein. Die Europäer feierten, mittendrin Nicole und Harald Scholl. Partie pur war angesagt.

Starkes Comeback im Jahr 2027?


Er räumt ein: Besser als im Fernsehen lasse sich das Spiel live nicht verfolgen. Doch die faszinierende Atmosphäre auf der Anlage sei einzigartig. Letzteres galt auch für das touristische Programm, das sich die Scholls rund um die golferischen Leckerbissen herum gönnte. Klar, die Stadt-Rundfahrt in New York gehörte dazu. Insbesondere Time Square, Broadway, Trump-Tower, Hop-on und Hop-off, die Staten-Island-Fähre, die Freiheits-Statue sowie die Dinner-Fahrt am Abend boten großartige Momente am Big Apple.

Nicole Scholl nimmt den Schwung und die Begeisterung mit. „Wir fahren 2027 nach Irland, zur nächsten Auflage“, schaut sie voraus. Er gibt sich zurückhaltender: „Schaun mer mal“, so Harald Scholl.

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