Gesundheit
Veröffentlicht am: 19.09.2026 11:00, Lesezeit: 5 Minuten

„Clé“: Wie KI-Anwendungen in die moderne Medizin einziehen

Um Künstliche Intelligenz künftig in allen Bereichen schnell und unkompliziert nutzen zu können, führt die Charité – Universitätsmedizin Berlin eine neue, eigene KI-Plattform für Forschung, Lehre, Krankenversorgung und Verwaltung ein. Die Plattform ist bisher einzigartig an deutschen Universitätskliniken: Sie ermöglicht einen eigenverantwortlichen, sicheren und datenschutzkonformen Betrieb und bietet verschiedene Modelle, Schnittstellen sowie vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Nach erfolgreicher Testphase wird der Zugang nun schrittweise für alle Mitarbeitenden geöffnet.

Was steckt hinter der KI-Plattform Clé?

Die neue KI-Plattform Clé ist als gemeinsame Arbeits- und Entwicklungsumgebung für unterschiedliche Einsatzbereiche konzipiert: Sie vereint mehrere austauschbare KI-Modelle, eine Chat-Oberfläche, die Verarbeitung von Texten, Bildern und PDF-Dokumenten sowie eigene Wissenssammlungen. Über Programmierschnittstellen können Forschende und Fachbereiche die Modelle in eigene Anwendungen und Arbeitsabläufe einbinden. Eine zentrale Anmeldung, technische Schutzmechanismen und die Protokollierung der Nutzung sorgen dabei für einheitliche Sicherheitsstandards.

Datenschutz- und Sicherheitsvorgaben der Charité

Die Plattform läuft auf Servern der Charité und ist speziell auf die Anforderungen einer Universitätsmedizin zugeschnitten. Mitarbeitende können mit internen Dokumenten und dienstlichen Informationen arbeiten, ohne diese an externe Anbieter zu übermitteln. Für den Einsatz gelten die Datenschutz- und Sicherheitsvorgaben der Charité. Technische Schutzmechanismen, verpflichtende Schulungen und ein schrittweiser Rollout unterstützen den verantwortungsvollen Einsatz.

Einzigartige Kombination für breites Einsatzfeld

In dieser Kombination handelt es sich um eine bislang einmalige Lösung an einem deutschen Universitätsklinikum. „Nach unserem Kenntnisstand ist die Charité die erste Universitätsmedizin in Deutschland, die eine eigene KI-Plattform mit mehreren Sprach- und Bildmodellen komplett auf eigener Infrastruktur betreibt – nicht als Pilot in einzelnen Abteilungen, sondern flächendeckend für die gesamte Krankenversorgung, Forschung, Lehre und Verwaltung“, sagt Prof. Alexander Meyer, Leiter des Instituts für Künstliche Intelligenz in der Medizin der Charité und Initiator des Projekts.

Er ergänzt: „Wir haben die Plattform zudem von Anfang an als Basis für die nächste Stufe gebaut: Über Schnittstellen können Fachbereiche bald nicht nur eigene Anwendungen und Assistenten, sondern auch KI-Agenten entwickeln, die mehrstufige Aufgaben eigenständig bearbeiten – ohne dass Daten die Charité verlassen.“

„Eine in jeder Hinsicht sichere KI-Infrastruktur ist gerade angesichts der aktuellen Diskussionen ein entscheidender Fortschritt für die gesamte Charité: Damit treiben wir die digitale Transformation voran und legen die Basis für künftige, KI gestützte Prozesse“, sagt Prof. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité.

Dank KI eine Entlastung im Arbeitsalltag

In der Krankenversorgung kann Clé bei klinisch-administrativen Aufgaben unterstützen, etwa beim Strukturieren von Dokumenten und Aufbereiten von Informationen. Ziel ist es, den Aufwand für Routinetätigkeiten zu verringern und mehr Zeit für die Versorgung von Patient:innen zu schaffen.

Die Plattform ist jedoch ausdrücklich kein Medizinprodukt. „Clé ist in der derzeit freigegebenen Form nicht für Diagnosen oder Therapieentscheidungen vorgesehen“, betont Alexander Meyer. „Die fachliche Verantwortung bleibt bei den behandelnden Fachkräften.“ Auch die Ergebnisse der KI müssten von den Anwendenden stets kritisch geprüft werden.

Potenziale für Forschung und Lehre mithilfe von künstlicher Intelligenz

In der Forschung eröffnet die Plattform ebenfalls neue Möglichkeiten: Mitarbeitende können zum Beispiel über Programmierschnittstellen eigene Anwendungen entwickeln und sichere Analysen großer Text- und Dokumentenbestände durchführen. Darüber hinaus wird die Plattform selbst zum Forschungsgegenstand: Unter kontrollierten Bedingungen lässt sich untersuchen, wie Sprachmodelle in der Medizin sicher und effektiv eingesetzt werden können.

Auch für die Lehre gibt es viele Einsatzmöglichkeiten – beispielsweise bei der Vorbereitung von Lehrmaterialien. In der Verwaltung lassen sich die neuen Tools etwa für Wissensdatenbanken, automatisierte Übersetzungen oder die Auswertung von Formularen nutzen, aber auch im Erlös- und Personalmanagement und beim IT-Support. So konnte beispielsweise bei einem Pilotprojekt die Zeit für die Umwandlung von Dokumenten in strukturierte Daten von durchschnittlich 30 auf nur zwei Minuten reduziert werden – bei 1.800 Dokumenten ließen sich somit 105 Arbeitstage einsparen.

„Der Start der neuen Plattform ist ein wichtiger Meilenstein bei der Implementierung der KI-Strategie der Charité“, betont Alexander Meyer, der mit seinem Team die Entwicklung und den Rollout der Plattform verantwortet. Zur KI-Strategie gehören neben der technischen Plattform auch Schulungen, Beratungsangebote und verbindliche Regeln für den Einsatz Künstlicher Intelligenz.

Weitere Ausbaustufen von „Clé“ in Planung

Das jetzige System bildet die Grundlage für die nächste Stufe: KI-Agenten, die mehrstufige Aufgaben übernehmen, etwa Dokumente auswerten, Daten zusammenführen und analysieren und Entwürfe vorbereiten oder klinische Prozesse automatisieren. Über die Programmierschnittstelle entstehen solche Anwendungen bereits heute in Forschung und IT.

„In den nächsten Ausbaustufen sollen Agenten in einer abgesicherten Umgebung direkt in der Oberfläche arbeiten und schrittweise an Charité-Systeme angebunden werden“, erklärt Alexander Meyer. „Dabei gelten dieselben Grundsätze wie heute: Daten und Kontrolle bleiben in der Charité und die Verantwortung bei den Menschen.“

Über die Entwicklung und den Betrieb der KI-Plattform Clé

Die KI-Plattform Clé wurde von der Ascléa GmbH entwickelt, einer Ausgründung von Charité und Deutschem Herzzentrum der Charité, und wird gemeinsam mit dem Institut für KI in der Medizin und dem Geschäftsbereich IT auf Charité-eigener Infrastruktur betrieben. Das Infrastrukturteam und der Bereich „High Performance Computing” des Geschäftsbereichs IT sind für die Betreuung des Hochleistungsrechners zuständig, auf dem die Modelle laufen. Unterstützung beim Aufbau und der Weiterentwicklung der technischen KI-Kompetenzen kommt vom Center of Technical Excellence (CTE) der Charité. Der Geschäftsbereich Governance, Compliance und Datenschutz begleitet das Projekt aus regulatorischer Perspektive.

Prof. Alexander Meyer, Initiator der Plattform und Direktor des IKIM, ist Mitgründer, Gesellschafter und einer der Geschäftsführer von Ascléa. Die Charité ist über ihre Technologietransfer-Partnerin Ascenion selbst an Ascléa beteiligt, nutzt die Plattform unentgeltlich und ist am Umsatz des Unternehmens beteiligt; Zahlungen der Charité an Ascléa erfolgen nicht. Die vertraglichen Grundlagen wurden von den zuständigen Stellen der Charité verhandelt und freigegeben.

Textquelle: Charité – Universitätsmedizin Berlin

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