Wo Pixel statt Blech im Fokus stehen

Emil Frey Gruppe: Centerleiter Urban Hinz über den Neubau seines Standorts in der documenta-Stadt

0

Wer in den letzten zwölf Monaten am Standort der Emil Frey Gruppe in der Sandershäuser Straße in Kassel vorbeifuhr, konnte kaum übersehen, dass sich dort einiges tut. Auf der Fläche von 40.000 Quadratmetern entstand eine komplett neue Location. Einige Zahlen gefällig? Bitte sehr. 13.200 Quadratmeter Boden wurden gepflastert, jeweils 500 Tonnen Stahl und Betonstahl verbaut sowie 3.800 Kubikmeter Beton gegossen. Das Mauerwerk umfasst 675 Kubikmeter Kalksandsteine, die Rohre der Fußboden- bzw. Industrieflächenheizung summieren sich auf 66.000 Meter. Nicht zu vergessen die 3.000 m Kunststoffrohre sowie 600 Meter Betonrohre für die Entwässerung und 25.000 m Datenleitungen für die IT-Infrastruktur. „1.300 Quadratmeter misst die Ausstellungsfläche für Gebrauchtwagen, 138 Stellplätze stehen den Kunden im Außenbereich zur Verfügung“, erläutert Marketing-Chefin Kerstin Dreyer-Herrmann. Was bedeuten die Veränderungen über die Zahlen und Fakten hinaus? Wir haben bei Centerleiter Urban Hinz nachgefragt.

Herr Hinz, mittlerweile sind Sie und Ihr Team in die neuen Räumlichkeiten umgezogen. Wie beschreiben Sie die Location in einem Satz?

Das neue Autohaus ist kleiner, kompakter, moderner, schöner, effizienter und transparenter.

Welches Erlebnis bieten Sie Ihren Kunden?

Im Verkaufshaus findet der Kunde einen Wohncharakter mit Lounge-Atmosphäre vor. Er kann in sämtliche Bereiche schauen und ist in die Prozesse integriert. Durch die Transparenz hat der Kunde sowohl die Service-Lane als auch den Verkaufsbereich im Blick.
Die Welt wird immer digitaler, die Mobilität von morgen entwickelt sich vollelektrisch. Was bedeutet das für Sie und Ihre Mannschaft?
Pixel statt Blech – so lässt sich die Entwicklung im neuen Autohaus zusammenfassen. Das bedeutet, dass alle Ausstattungsvariationen digital abgebildet werden. Es gibt beispielsweise den sogenannten Horizont, einen überdimensionalen Bildschirm, bei dem die Auflösung in Echtfarben abgebildet wird. Im simulierten Tageslicht können sämtliche Fahrzeugfarben gezeigt werden.

Des Weiteren unterscheiden wir in drei Beratungszonen: offen, halboffen und geschlossen. Der Kunde kann wählen, in welcher Beratungszone er sich am wohlsten fühlt. Der Beratungsgespräche, bei denen sensible Daten ausgetauscht werden, etwa Finanzierungsdaten, können im geschlossenen Beratungsbereich stattfinden. Allgemeine Beratungsgespräche eignen sich im offenen oder halboffenen Bereich am Horizont.

Ihre Mitarbeiter übernehmen eine Gastgeberfunktion. Wie sehen Sie diese Aufgabe?

Unsere Kunden sind unsere Gäste. So möchten wir sie bedienen. Deswegen haben wir dem klassischen Verkäufer noch den Gastgeber vorgeschaltet. Er begrüßt den Kunden, klärt seine Wünsche ab und entscheidet über die weiteren Beratungsmöglichkeiten. Möchte der Kunde sich nur umschauen oder eine Detailfrage geklärt wissen? Bei Bedarf berät der Produktexperte. Der Lounge-Bereich bietet wartenden Werkstattkunden eine hohe Überbrückungsqualität.

Was tun Sie, um den Kunden im Hinblick auf die neuen Prozesse abzuholen?

Gerade beim Service gibt es einen neuen Prozess, der sich erheblich von der Vergangenheit abhebt. Früher war es der Kunde gewohnt, sein Fahrzeug auf dem Parkplatz abzustellen, in die Reparaturannahme zu gehen, nach einem Serviceberater Ausschau zu halten und sein Anliegen zu äußern. Danach lief auf dem Parkplatz die erste Fehlerdiagnose, um im Anschluss am Schreibtisch gemeinsam mit dem Berater den Serviceauftrag am Computer zu erstellen.

Hingucker mit Stern Der neue EQS, die erste vollelektrische Luxuslimousine von Mercedes, dürfte zu einem der Stars an der Sandershäuser Straße avancieren. Das Modell basiert auf modularer Architektur. Technologie, Design, Funktionalität und Konnektivität verschmelzen zu einer Einheit.

So wird der Prozess in den meisten Automobilhandelsbetrieben gelebt. Es handelt sich jedoch um einen Prozess von gestern. Sowohl für Kunden als auch für den Betrieb ist der Weg nicht effizient.

Im Autohaus der Zukunft fährt der Kunde mit seinem Fahrzeug in die Service-Lane. Der Kundenberater kommt mit dem iPad direkt ans Auto, führt die Fehlerdiagnose zusammen mit dem Kunden am Auto gemeinsam durch – und zwar im Warmen und Trockenen. Danach wird der Auftrag sofort am iPad erstellt und mit dem iPencil vom Kunden erteilt.

Uns ist bewusst, dass ein langjährig gelebter Prozess nicht von heute auf morgen in einen neuen Prozess übergeht. Deshalb kommen hier die Gastgeber ins Spiel. • ralo

- Werbung -