Und jetzt will ich es auch!

Marion Kieckebusch über den Anfang vom Ende einer nicht Golf spielenden Ehefrau

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Marion Kieckebusch will’s wissen: Seid ihr eigentlich sicher, dass Golf nicht unter die Kategorie „Glücksspiel“ fällt? Foto: nh.

Jahrelang habe ich meine Freiheit genossen, mit meiner Schwester sämtliche Thermen in der Umgebung besucht, während ihr stundenlang auf dem Golfplatz viel zu kleine Bälle in viel zu kleine Löcher in viel zu weiter Ferne manövriert habt. Beobachtet habe ich euch, wie ihr stundenlang über verschlagene Bälle sinniert, an euren Talenten gezweifelt, die Schuld am Platz gesucht oder den falschen Schläger erwischt habt. Ihr seid beim Sponsorenturnier fast ertrunken, habt euch die Haut verbrannt und seid von Insekten zerstochen worden. Trotzdem liebt ihr diesen Sport und tut es immer wieder. Angst macht mir dieser Golfvirus allerdings. Erschreckenderweise ist schon wieder eine jahrelang überzeugte „nicht Golf spielende Ehefrau“ angesteckt worden und mittlerweile in die intensiv infizierte Damenmannschaft aufgenommen worden …

Größte Mühe habt ihr euch gegeben, mir immer und immer wieder von den Vorzügen vorzuschwärmen. Mitleid hattet ihr mit mir, dass ich mir die Bewegung in der Natur, das Zusammensein mit netten Menschen und das Abschalten vom Alltag habe entgehen lassen.

Golfcart statt Rollator

Da wir nun auch einen Professional im Freundeskreis haben, der herrliche Golfreisen organisiert, uns zu fröhlichen Turnieren und Sommerfesten einlädt, komme ich schon mal ins Grübeln, wie es in Zukunft mit mir weitergehen soll. Lieber Golfcart statt Rollator, lieber Clubhaus statt Speisesaal, lieber Golf statt Kreuzworträtsel und Bingo? Es gäbe schlechtere Alternativen!

Doch ich muss euch warnen. Meine bisherigen Golfversuche waren alles andere als erfolgreich. Dabei waren die Vorsätze jeweils gut. Den Beginn meiner glorreichen Golfkarriere wollte ich zusammen mit meinem Mann 1999 in Escheberg starten. Doch gleich nach den ersten Versuchen stellte ich ernüchtert fest, dass ich wegen meines damals sechsjährigen Sohnes nur wenige Gelegenheiten dafür fand. Da sich meine Eltern zuvor nur wenig Zeit für sich selbst genommen hatten, wollte ich ihnen nicht zumuten, auf ihn aufzupassen, während ich mich stundenlang auf dem Golfplatz vergnügte.

Martinsgänse ohne Drives

Den zweiten Anlauf startete ich mit einem Platzreifekurs samt „Geld-zurück-Garantie“ in Waldeck. Leider musste sich der Pro in der Phase um einen privaten Notfall kümmern, so dass wir ziemlich ungecoacht und unmotiviert unsere Platzreife erhielten. Viel lieber hätte ich mein Geld zurückbekommen …

Als mein Sohn später das Golfspielen für sich entdeckte, nahm ich erfreut zur Kenntnis, dass so vermeintlich nervende Mutterworte wie „Üben, Konzentration, Ordnung, Fleiß und Ausdauer“ sogar bei Regelabenden gelehrt wurden. Wie praktisch, dass ihre erfolgreiche Anwendung auch außerhalb des Platzes Erfolg verspricht!

Meine dadurch gewonnene Zeit habe ich sehr genossen. Ehemann und Sohn waren gut und glücklich auf dem Golfplatz aufgehoben. Ich ging mit meinen Freundinnen auf die Rolle und kam abends zum leckeren Buffet nach der Runde wieder hinzu. Kaum ein gemütliches Zusammensein habe ich verpasst, viele Martinsgänse verspeist, bei zahlreichen Golfsommerfesten sportlich und ausdauernd das Tanzbein geschwungen, mich auf der Terrasse sowie im Clubhaus stets wohlgefühlt – und manchem wird kaum aufgefallen sein, dass ich mich ganz ohne Drives und Putts unter euch gemischt habe.

Luftschläge mehr würdigen!

Eigentlich fehlt mir nix! Trotzdem will auch ich jetzt richtig zu euch gehören. Die Vorbereitungen sind in die Wege geleitet. Meine Mitgliedschaft im Golfclub Kassel-Wilhelmshöhe ist schon beantragt, und vorsorglich nahm ich im Urlaub erneut an einem Schnupperkurs teil. Dort fiel ich gleich auf, da ich mit frisch gekürztem, gebraucht erstandenem vollständigen Schlägerset und neuem Outfit auf der Driving Range erschien. Für den Rest des Urlaubs sahen mich alle als die Kleine mit den vielen Schlägern.

Immerhin, optisch war ich glänzend vorbereitet. Nach gut einer Stunde gelang es mir sogar ab und zu, den Ball ein paar Meter weit von der Matte zu schlagen. Meine qualitativ hochwertigen Luftschläge wurden leider viel zu wenig honoriert! Seid ihr eigentlich sicher, dass Golf nicht unter die Kategorie „Glücksspiel“ fällt?

So, nun habe ich mich selbst unter Druck gesetzt. Ich freue mich auf euch und bleibe am Ball. Eines ist sicher: Der Pro wird noch viel Arbeit mit mir haben. Wetten, dass!?

Ein schönes Spiel wünsche ich allerseits,
Eure
Marion Kieckebusch.

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