Seine Handschrift ist klar erkennbar

Welche Akzente der Oberaulaer Head-Greenkeeper Hermann Scholer setzen will

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Neue Tragschicht für das Grün „Das Mischungsverhältnis muss für jeden Platz individuell bestimmt werden“, unterstreicht Hermann Scholer. Foto: Rainer Lomen

They never come back? Von wegen! Was Muhammad Ali einst voller Überzeugung verkündete, gilt keineswegs immer. Für Hermann Scholer jedenfalls nicht. Nachdem der Head-Greenkeeper einige Stationen hinter sich gebracht hatte, kehrte er im vergangenen Jahr nach Oberaula zurück.

Nach seinem Abschied vom Kurhessischen Club war Scholer zehn Jahre lang für andere Anlagen tätig. In Luxemburg, auf Gut Wissmannshof sowie im Stuttgarter Raum hatte der Fachmann seine Expertise zur Verfügung gestellt. „Der Kontakt zum Greenkeeping-Team in Oberaula riss in der Phase nie ab“, blickt der gelernte Winzer zurück.

Mit der Natur arbeiten

Sein Ziel ist klar. „Ich will den Platz auf Dauer wieder dorthin bringen, wo er schon einmal war“, macht Scholer deutlich. Die Grüns stehen ganz oben auf der Agenda. Sie möchte er erneut in einen Top-Zustand versetzen.

Auf dem Weg zum genannten Ziel soll weniger gespritzt werden. Damit liegt Oberaula im Trend. Denn seit über fünf Jahren werden auf den deutschen Golfanlagen kaum mehr Spritzmittel eingesetzt. Eindeutig bemühen sich die Greenkeeper, verstärkt mit der Natur zu arbeiten.

In dem Kontext kooperiert Scholer intensiv mit einem Wissenschaftler der Universität Johannesburg. Der Südafrikaner beschäftigt sich seit mehr als vier Jahrzehnten mit Fragen rund um den Rasen. Er fährt viele Versuche und baut so immer mehr Kompetenz auf.

Die Verbindung der beiden kam einst über die Düngerfirma Euro-Green zustande. „Das Unternehmen setzt auf den Zusatz T56, der am Kap entwickelt wurde“, erklärt der Head-Greenkeeper.

Humus und Holzkohle

Scholer pflegte stets einen kurzen Draht zu Dietmar Plate. Er und sein langjähriger Kollege vom Hardenberg-Resort liegen in fachlichen Fragen oft auf einer Linie, beide haben sich häufig kurzgeschlossen.

Als Beispiel verweist Scholer auf eine neue Tragschicht für das Grün, die er entwickelt hatte. Mit Plate hatte er sich dazu 2016 und 2017 intensiv ausgetauscht. Dafür verwendeten die Experten eine Mischung, bei der unter anderem Humus, Sand und gemahlene Holzkohle – ähnlich der sogenannten Terra-Preta-Erde – eine Rolle spielen.

„Wichtig ist, dass das Mischungsverhältnis passt. Es muss für jeden Platz bestimmt werden“, so Scholer.

Zurück nach Oberaula. Dort macht der Experte Probleme mit der Bewässerung aus. Diese ließen sich nur bis zu einem gewissen Punkt reduzieren. Schließlich müsse „das Gras leben können“. Deshalb sei mehr Handarbeit notwendig.

Mit Blick auf die gelegentlich kritisierten Grüns strebt er an, das aktuelle System zu ändern. Moniert wird insbesondere, dass die Oberflächen zu hart seien und die Bälle nicht hielten. Kurz gesagt: Die Grüns sollen „mehr beißen“. Das lässt sich nach Scholers Überzeugung ändern, indem mehr gewässert, die Tragschicht modifiziert und beim Aerifizieren alternatives Material eingebracht wird.

Mehr Spaß am Spiel

Generell sieht der Fachmann den Trend, die Plätze einfacher bespielbar zu machen. Dahinter steht das Ziel, dass die Aktiven noch mehr Spaß am Spiel finden. So wird vielerorts das hohe Gras auf Semi-Rough-Niveau heruntergemäht und mancher Bunker entfernt.

Auch gegenläufige Tendenzen beobachtet Scholer. Auf seinen Platz bezogen könnte das bedeuten, dass einige Bunker hinzukommen, die das Spiel leichter machen sollen. Als Beispiel nennt Scholer die Bahn 2. Wenn dort der Boden – wie im vergangenen Sommer – ziemlich hart ist, wächst die Gefahr, dass selbst weit links angespielte Bälle stark rollen – und von dort rechts im Aus landen.

Ein richtig platzierter Bunker würde die Bälle stoppen und sie so im Spiel halten. „Andererseits ist auf der Bahn oben links im Hang ein Bunker, der wenig Sinn macht.
Den sollten wir wegnehmen“, schlägt er vor.

Ähnlich argumentiert Scholer, wenn er Bahn 7 betrachtet und sich die beiden auf der linken Seite platzierten Fairway-Bunker vornimmt. Es spreche viel dafür, die Hindernisse wegzunehmen, „da sie gute Drives bestrafen“, bringt er seine Überzeugung auf den Punkt.

Viele Talente gefragt
Hermann Scholer, Jahrgang 1959, ist in den Weinbergen aufgewachsen. Zu seinen beruflichen Stationen zählen Trier, Jakobsberg (nahe Boppard), Elfrather Mühle (bei Krefeld), Luxemburg, Gut Wissmannshof, Oberaula und Stuttgart. Er liebt seinen abwechslungsreichen Job. Es gehe um weit mehr als um gute Grüns. Der kompetente Greenkeeper muss aus seiner Sicht ein Multitalent sein, dessen Fähigkeiten vom Mechaniker und Straßenbauer über den Pflasterer und Schreiner bis zum Gärtner reichen, der profunde Kenntnisse in Sachen Biologie mitbringt. Das Einzige, was er an seinem Job bedauert, ist, „dass ich selbst kaum mehr als zweimal pro Monat zum Golfen komme“.

„Macht seine Sache gut“

Keine Frage, es bleibt viel zu tun im Kurhessischen Club. Und doch bewegt sich einiges. Die Anlage ist auf dem richtigen Weg, wie viele Beobachter bestätigen. „Hermann Scholer macht seine Sache gut“, konstatiert Mitglied Andreas Meißner und fügt anerkennend hinzu: „Seine Handschrift ist klar erkennbar!“