Schöne Bescherung beim Weihnachtsbaumkauf!

Die Wirren des Steuerrechts

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Dipl.-Kfm. LL.M. (Com.) Michael Paus, Prof. Dr. Ludewig + Sozien Wirtschaftsprüfer/ Steuerberater Foto: Ludewig + Sozien

Deutsches Steuerrecht ist manchmal so schwer zu entwirren wie ein gut geschnürtes Weihnachtspaket! Nehmen wir einmal die Umsatzsteuer: In Deutschland beträgt der Umsatzsteuersatz gem. § 12 Umsatzsteuergesetz 19 Prozent. Auf bestimmte Lieferungen und sonstige Leistungen ermäßigt sich dieser Satz auf 7 Prozent.

Auf den ersten Blick ist die Erklärung dafür einfach und einleuchtend: Der Gesetzgeber wollte bestimmte Dinge des Grundbedarfs erschwinglich halten. Dass er damit eine Definitionslawine ausgelöst hat, was zum Grundbedarf zählt, hat er wohl nicht bedacht.
Ein kleines Beispiel: Kuhmilch wird mit 7 Prozent besteuert. Entscheiden Sie sich aber für Sojamilch, greift der Fiskus tiefer in Ihre Taschen, weil Sojamilch umsatzsteuerlich keine Milch ist und deshalb mit 19 Prozent besteuert wird. Schwappt in der (echten) Milch etwa noch Kaffee, wird es vollends kompliziert. Bei einem Latte macchiato, Cappuccino oder Milchkaffee kommt man mit günstigen 7 Prozent davon – aber nur, wenn der Milchanteil mindestens 75 Prozent beträgt. Im Café
getrunken, will auch das Finanzamt mitgenießen – und schon sind wieder 19 Prozent fällig!

Geschmückter Baum 19 Prozent

Weiter geht’s im fiskalischen Kuriositätenkabinett: Kartoffeln werden mit 7 Prozent besteuert, Süßkartoffeln mit 19 Prozent; Obst liegt bei 7 Prozent; jedoch sollte das Obst nicht gepresst konsumiert werden, denn dann werden 19 Prozent Umsatzsteuer fällig.
Hundekekse werden staatlich gestützt mit 7 Prozent, bei Babynahrung und
Kinderkeksen dagegen – Sie werden es schon ahnen – langt der Fiskus mit 19 Prozent
voll zu.

Und jetzt wird’s weihnachtlich, aber nicht weniger seltsam. Denn sogar beim Kauf einer Tanne, die mit ihrem festlichen Schmuck das Heim zieren soll, sollten Sie sich mit den unterschiedlichen Steuersätzen auskennen. Es sind gleich vier an der Zahl!

Wirklich einfach ist die Steuerberechnung nur bei Plastiktannen sowie beim Kauf eines fertig geschmückten Baums. Dafür müssen Sie 19 Prozent zahlen.

Sieben Prozent für die Naturtanne

Geringere Steuersätze gelten für den artgerecht aufgewachsenen Baum. Wer die Naturtanne bei einem Gewerbetreibenden kauft, darf mit 7 Prozent rechnen, also den allgemein für Pflanzen gültigen ermäßigten Steuersatz. Nochmal anders sieht es aus, wenn man den Baum direkt von einem Forstwirt kauft. Denn Forstwirte haben wiederum die Möglichkeit, für ihre Geschäfte einen pauschalen Steuersatz abzurechnen. Aus Gründen der Vereinfachung.

Aber einfach ist im deutschen Umsatzsteuerrecht nicht immer einfach. Hat der Landwirt den Baum irgendwie im Wald geschlagen, wo er wild und frei aufgewachsen ist, wird der pauschale Steuersatz von 5,5 Prozent fällig. Wurde der Baum dagegen in einer Großkultur gezüchtet, beträgt der Steuersatz 10,7 Prozent.

Wie viel Sie jedoch auch immer für Ihre Weihnachtstanne bezahlen müssen – wir wünschen Ihnen zu 100 Prozent ein frohes Fest!

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