Panorama-Anlage par excellence

Golfclub Rhön: Wo die Blicke von Schloss Bieberstein bis zur Wasserkuppe wandern

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Keine Regel ohne Ausnahme „Unsere aktuell dreijährige Umlage benötigen wir, um die neue Kurzspielanlage zu finanzieren", so Manager Christian Becker. Foto: nh

Die vergangene Saison verlief aus Sicht der Anlage in der Rhön gut. Trotz der lang anhaltenden Trockenheit präsentierte sich der Platz in prima Zustand. „Unser fünfköpfiges Greenkeeping-Team hat tolle Arbeit gemacht und das goldene Händchen gehabt, zum richtigen Zeitpunkt zu wässern“, lobt Manager Christian Becker.

Die außergewöhnliche Bilanz betraf den gesamten Platz, der in 460 Metern Höhe liegt – von den Abschlägen über Fairways bis hin zu den Vorgrüns und Grüns. Damit bildeten die Fuldaer eine Ausnahme in der Region.

Signature-Hole Bahn 2

Wie sieht das Gelände aus? Die ersten neun Bahnen verlaufen auf einem Plateau. Die Blicke der Aktiven wandern in die Hochrhön, sie gehen vom Schloss Bieberstein über die Milseburg bis zur Wasserkuppe. 

Die Back Nine bilden einen Kontrast. Häufig führen sie bergauf bzw. bergab und nehmen damit die für die Rhön charakteristischen Formen an. Man sieht, was die vielfältige Gegend landschaftlich so alles zu bieten hat. 

Ein solches Angebot hat uns in der Rhön gefehlt.
Deshalb freuen wir uns, diese Lücke nun geschlossen zu haben.“

Schließlich kommt die Domstadt in Sichtweite, gefolgt vom Frauenberg. Wer die 18 Bahnen gespielt hat, der versteht, warum sich die Anlage als Panorama-Golfclub versteht!

Als Signature-Hole betrachten viele Spieler die zweite Bahn. Mit über 400 Metern Distanz handelt es sich um ein langes Par 4. Nicht nur Weite ist gefordert, darüber hinaus sollte man den Ball möglichst gerade auf der Bahn halten. „Vom Tee aus fährt man am besten mit einem leichten Draw“, empfiehlt ein Könner. 

Sponsoren für das Dach

2016 war das Übungs-Green komplett neu aufgebaut worden. Mit einer
Fläche von rund 800 Quadratmetern ist es großzügig dimensioniert. Im folgenden Jahr wurde die alte Driving Range verändert. Lange Zeit hatte sie zwischen den Fairways der Bahnen 1 sowie 3 gelegen und sich auf lediglich 170 Meter erstreckt. Vor dem Hintergrund sicherten Zäune die Range rundum; gleichwohl mogelte sich immer mal wieder ein Ball auf die benachbarten Bahnen.

In diesem Bereich entstand ein Kurzplatz. Die drei Löcher sind zwischen 60 und 80 Meter lang und stark onduliert. 2018 wuchs das Gras gut an. Wer dort übt, kann die auf dem Platz häufigen Schräglagen intensiv trainieren.

Hinzu kam eine Pitching Area. Sie ist ebenfalls gut für Einsteiger geeignet und öffentlich zu nutzen. „Ein solches Angebot hat uns in der Rhön gefehlt. Deshalb freuen wir uns, diese Lücke nun geschlossen zu haben“, so Becker.

Die neue Range liegt etwas abseits des Clubhauses und erstreckt sich auf einer Länge von 220 Metern. Sie soll ausgebaut und überdacht werden. Die aktuelle Herausforderung lautet, geeignete Sponsoren zu finden, die den weiteren Um- und Ausbau finanzieren. 

Jahn führt Golfschule

Lothar Jahn leitet die Golfschule. Der gebürtige Hofbieberer stammt aus den eigenen Reihen. Lange spielte er als Amateur erfolgreich für die Mannschaften des Clubs. 

Dann wechselte Jahn ins Profilager. Als Playing-Professional war der Hesse zeitweise auf der European Challenge Tour aktiv. Darüber verzeichnete er einige Einsätze auf der European Tour.

Seine Karriere setzte Jahn als Golflehrer fort. Er arbeitete für verschiedene Anlagen, unter anderem im Club Spessart. Seit 2017 ist er als Head-Pro im Club Rhön tätig. 

Einstieg über drei Jahre

600 Mitglieder gehören dem Club an. Durchschnittlich 60 Newcomer treten pro Jahr ein. Damit liegt ihre Zahl leicht über der der Abgänge.

Brunch gut besucht
Um die Gastronomie kümmert sich Anita de Marchi seit sechs Jahren. Sie und ihr Team haben die Räume gepachtet und sind eigenständig aktiv. Ihre gutbürgerliche Küche erhält eine gute Resonanz. 
Sonntags wird ab 10.00 Uhr ein recht populärer Brunch angeboten. Nicht nur Golfer kommen, auch Menschen aus dem Ort und der Umgebung stärken sich zum Ende der Woche dort. Darüber hinaus finden laufend vielfältige Feiern im Restaurant statt– von Geburtstagen bis zu Firmen-Events reicht die Palette.

Um Interessenten den Einstieg zu erleichtern, werden an den Wochenenden immer wieder kostenfreie Schnupperkurse angeboten. Wer dabei bleibt, kann sich für die Schnuppermitgliedschaft entscheiden. Inklusive Platzreife schlägt sie im ersten Jahr mit 199 Euro zu Buche.

Faszinierende Landschaft
Auf einem Plateau verlaufen die ersten neun Bahnen. Die Blicke wandern in die Hochrhön, sie gehen vom Schloss Bieberstein über die Milseburg bis zur Wasserkuppe. Die Back Nine nehmen die für die Rhön charakteristischen Formen an und zeigen, was die vielfältige Gegend landschaftlich zu bieten hat. Foto: nh

Im zweiten Jahr ist der Newcomer mit 795 Euro dabei. Er (oder sie) kann prüfen, ob das Spiel mit dem kleinen Ball in freier Natur Spaß macht – oder nicht. Wer weitermacht, wird im dritten Jahr Vollmitglied. Der Club erhebt weder ein Eintrittsgeld noch eine Investitionsumlage. Zu zahlen ist ausschließlich die Jahresgebühr in Höhe von 1.195 Euro.

Aktuell gibt es eine kleine Abweichung. Sie kommt in Form einer dreijährigen Umlage daher. „Wir benötigen sie zur Finanzierung der neuen Kurzspielanlage“, macht Becker deutlich.

Eine Kooperation verbindet die Fuldaer mit Oberaula. Die Vereinbarung sieht vor, dass die Mitglieder wechselseitig auf der Anlage des anderen spielen können, ohne dass ein Greenfee erhoben wird. 

Ein weiteres Arrangement betrifft den Club Spessart. Es wirkt sich so aus, dass die Aktiven der Anlagen bei Turnieren des Partners ohne Greenfee an den Start gehen können. Zu zahlen ist lediglich das obligatorische Nenngeld.

Vom Pro zum Manager

Christian Becker, der aus dem Raum Fulda kommt, gehört dem Club seit über drei Dekaden an. Der Manager, Jahrgang 1971, startete seine sportliche Karriere auf dem Tennisplatz. Im Alter von 15 Jahren begann er, Golf zu spielen.

Nach dem Abitur absolvierte Becker die Ausbildung zum Steuerfachgehilfen. Anschließend begann er, Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Bis zum Vordiplom blieb er dabei. Dann unterbreitete ihm der damalige Head-Pro Nick Staples das Angebot, die Ausbildung zum Golf-Professional zu machen. Die Offerte nahm Becker mit Begeisterung an und erlernte seinen Traumberuf.

In der Folge trat er an die Spitze der dortigen Golfschule, während sich Staples um das Clubmanagement kümmerte. 17 Jahre blieb Becker als Head-Pro tätig. Dann bildete er sich zum Golfbetriebswirt weiter und ist nun seit drei Jahren als Clubmanager aktiv. „Das ist eine vielfältige Herausforderung. Die Aufgabe macht mir Spaß“, hebt der verheiratete Vater dreier Kinder im Alter von 18, 13 und acht Jahren hervor.

„Frei wie ein Vogel sein“

Wenn er nicht mit seiner Familie unterwegs ist, geht der Osthesse in letzter Zeit besonders gern seinem Hobby nach – und damit in die Luft.

Das kam so: Becker fädelte eine Kooperation mit einem bekannten Hotelier auf der Wasserkuppe ein. Mitinhaber Boris Kiauka lernt das Golfen, Becker taucht im Gegenzug in die Welt des Paraglidings ein.

Kiauka ist selbst Fluglehrer und nahm Becker zum Auftakt zum Tandemflug mit in die Luft. „Das war schon ein tolles Erlebnis und hat Appetit auf mehr gemacht“, blickt der Golf-Profi zurück.    

Damit war die Entscheidung gefallen – und Becker startete durch. Auf die Grundausbildung folgten Höhenflüge sowie die Vorbereitungen zur theoretischen Prüfung für die A-Lizenz. Um die praktische Ausbildung voranzutreiben, reiste der Osthesse im November zu einer ereignisreichen und aufregenden Woche in die Dolomiten.

Eigene Quelle
Wie wichtig Wasser für die Golfanlagen hierzulande ist, zeigte der trockene Sommer 2018 auf drastische Weise. Die Fuldaer ziehen daraus ihre Schlüsse. Mittel- bis langfristig wollen sie Auffangbecken bauen, in denen das stetig aus der eigenen Quelle sprudelnde Nass gesammelt werden soll.

Was macht den Reiz des Paraglidings aus? „Es kommen viele Faktoren zusammen“, sagt Becker und verweist auf die Faszination der Weite sowie der Höhe und das vielzitierte Gefühl, frei wie ein Vogel zu sein. Er zeigt sich überzeugt: „Wer einmal geflogen ist, will immer wieder da hoch!“

Pfiffige PR-Strategie

Zu bemerkenswerten Höhenflügen ganz anderer Art setzt die Golfanlage in der Rhön mit ihrer pfiffigen Öffentlichkeitsarbeit an. So soll in den nächsten Monaten eine Aktion mit „Fulda Aktuell“ für mediale Aufmerksamkeit sorgen. Der Club will dazu potenzielle Interessenten einladen, die sich bei einem Putt-Turnier über 18 Löcher messen werden. 

Ermittelt werden die vier Besten. Sie erhalten die Gelegenheit, gemeinsam einen Platzreifekurs zu besuchen. „Fulda Aktuell“, so der Plan, begleitet das Quartett dabei publizistisch. Die Zeitung berichtet in regelmäßigen Abständen über die Fortschritte, Eindrücke (und Leiden) der Einzelnen. Schließlich wird der Champion gekürt, der sich bis zum Saisonende sportlich am besten entwickelt hat. 

Keine Frage, ein gelungener Ansatz, um den Golfsport und seine Herausforderungen in den Blickpunkt zu rücken. Das bestätigt der Praforster Manager Frank Gerhard, der 2018 ein ähnliches Projekt initiiert hatte.

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