Offene nationale Meisterschaften im Visier

Interview mit Oliver Bartels, Präsident des Golfclubs Hardenberg

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Neue Herausforderungen „Der DGV plant, die Deutschen Meisterschaften der Damen und Herren in einem etwas anderen Rahmen ablaufen zu lassen. Es geht in Richtung offener nationaler Meisterschaften, zu denen sowohl Profis als auch Amateure zugelassen werden sollen. Das könnten wir stemmen“, zeigt sich Oliver Bartels zuversichtlich. Fotos: Mario Zgoll

Herr Bartels, wie ist die Saison 2018 aus Ihrer Sicht gelaufen?

Wenn man die besonderen Herausforderungen betrachtet, mit denen uns das Wetter konfrontiert hat, dürfen wir mit der abgelaufenen Saison zufrieden sein. Während der Niedersachsen-Course über eine Fairway-Bewässerung verfügt, ist das bei unserem Göttingen-Course nicht der Fall – und dort sah es mitunter nicht gut aus. Andererseits konnten wir immer wenigstens einen Platz anbieten, was um uns herum nicht überall so war.

Welches Fazit ziehen Sie mit Blick auf die Wettspiele?

Die Turniersaison verlief hervorragend. Viele Sponsoren engagierten sich, die Offene Golfwoche fand mit über 500 Teilnehmern eine tolle Resonanz. Insgesamt kamen wir auf rund 160 Turniere, einschließlich der Damen- und Herrenrunden.

Aktuell nimmt die Zahl der Turniere bei uns eher zu als ab. Das gilt etwa im Hinblick auf neue Turnierformate, beispielsweise in Sachen After Work. Über neun Löcher laufen bei uns die Serien von Ecco, BMW, Mercedes-Benz sowie Küchen Gellert. Über 18 Löcher kam der Samsonite-Wettbewerb hinzu.

Wie sind Sie selbst in Ihre Präsidentschaft gestartet?

Anfang April 2017 wurde ich als Nachfolger von Carl Graf Hardenberg, der die Aufgabe wegen der hohen zeitlichen Belastung abgeben musste, zaum Präsidenten des Clubs gewählt. Die verbleibende Amtszeit betrug ein Jahr. Im März 2018 stellte ich mich erneut dem Votum und nehme die Aufgabe nun für die nächsten drei Jahre wahr.

Was bedeutet die Wahl für Sie?

Der Club ist mir eine Herzensangelegenheit. Das bedeutet nicht zuletzt, dass es gilt, Veränderungen herbeizuführen – auch wenn das nicht immer ganz leicht fällt. Dazu zählt, dass wir zu der Entscheidung kamen, das Arbeitsverhältnis mit unserem langjährigen Geschäftsführer Norbert Hoffmann zu beenden.

In der Folge haben wir uns die Organisationsstrukturen vorgenommen und sie modernisiert. Mit Luisa Brandis ist seit Anfang August eine neue Clubmanagerin im
Amt. Zu ihren Schwerpunkten gehört es, den Pro-Shop weiterzuentwickeln und die Kommunikation mit unseren Kooperationspartnern auszubauen.

Wie lauten die Einstiegsbedingungen, zu denen Sie neue Mitglieder aufnehmen?

In den vergangenen 40 Jahren hat sich der Hardenberg als Destination gut entwickelt.
In dieser Phase hat sich die Gesellschaft in vielfältiger Hinsicht verändert. Die Zeit ist schnelllebiger geworden, sie verlangt neue Angebote – auch von den Golfanlagen. Nicht übersehen lässt sich, dass sich die Einstiegskonditionen in den Golfsport rasant verändert haben. Darauf mussten wir reagieren. Das haben wir getan und frische, attraktive Einstiegs- bzw. Beitragsangebote konzipiert.

Wie stellen sich diese Offerten konkret dar?

Zunächst einmal ist die Aufnahmegebühr weggefallen. Das gilt etwa für die Variante,
bei der der Newcomer bis zu anderthalb Jahre jeweils 75 Euro Beitrag pro Monat zahlt.
In diesen 18 Monaten kann er (oder sie) in den Club hineinschnuppern und sich
orientieren. Entscheidet man sich anschließend für eine Vollmitgliedschaft, so wird die Investitionsumlage fällig, die in Raten gezahlt werden kann. Der Beitrag liegt dann bei
149 Euro pro Monat, die Umlage hat den Umfang von insgesamt 6.000 Euro.

Wie sieht die Mitgliederentwicklung in Ihren Reihen aktuell aus?

Plakativ gesagt, verzeichnen wir eine Stagnation auf hohem Niveau. Derzeit haben wir
rund 1.300 Mitglieder, wobei 2018 uns einen leichten Zuwachs gebracht hat. Wir setzen weiterhin auf ein moderates Wachstum. Luft nach oben gibt es durchaus: Bei unseren aktuell 42 Bahnen sehen wir das Potential für 1.500 Mitglieder.

Fußballgolf im Angebot
Der Golfclub Hardenberg bewirtschaftet die komplette Anlage in Südniedersachsen. Mit einem Jahresetat in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro ist der Verein aktiv und beschäftigt
25 Mitarbeiter – ohne Golfschule und Gastronomie, die in eigener unternehmerischer Regie tätig sind.
Das Resort darf zu den Top Ten in Deutschland gezählt werden. Das hängt nicht zuletzt
mit den beiden herausragenden 18-Loch-Plätzen sowie dem Public Course zusammen,
der sechs Bahnen umfasst. Dort wird übrigens seit dieser Saison auch das immer populärere Fußballgolf gespielt. Dafür ließ das Management entsprechend große
Löcher neben den eigentlichen Grüns anlegen. „Unsere Angebote rund um das
Fußballgolf wollen wir mittelfristig noch stärker vermarkten“, so Präsident Oliver Bartels.

Wo setzen Sie und Ihr Team Schwerpunkte bei der Arbeit?

Die Außendarstellung des Golfsports ist mir wichtig. Nicht den Schönen und Reichen ist er vorbehalten, es handelt sich vielmehr um einen Sport für jedermann. Vor dem Hintergrund mache ich viel Presse- sowie Öffentlichkeitsarbeit, kommuniziere mit Institutionen und setze auf die Kooperation mit anderen Vereinen.

Welche Vereine und Einrichtungen nehmen Sie ins Visier?

Eine enge Kooperation haben wir etwa mit dem ASC Göttingen und dem Bovender Sportverein vertraglich vereinbart, denen zusammen immerhin mehr als 17.000 Mitglieder angehören. Diese Vereine bieten jetzt eigene Golfabteilungen, als Partner agiert unser Club.

Fan des Landes am Kap
Oliver Bartels ist verheiratet und Vater eines 14-jährigen Sohnes. Seit zweieinhalb
Dekaden engagiert sich der 48-Jährige als Unternehmensberater. Sein Unternehmen,
die Beratergruppe (www.beratergruppe.com), hat seinen Sitz in Göttingen. Die Arbeitsschwerpunkte des Teams bilden die Restrukturierung sowie Sanierung von
Firmen und klassisches Controlling. Weitere unternehmerische Aktivitäten haben mit
einer Werbeagentur zu tun, die auf Sylt und in der Nordrhein-Region zuhause ist. In seiner Freizeit spielt Bartels Golf und Tennis. Der Handicap-13-Spieler liebt Südafrika; im Winter verbringt er regelmäßig einen Monat am Kap – nicht zuletzt, um dort Golf zu spielen.

Darüber hinaus sind wir im Gespräch mit der Universität Göttingen. In dem Kontext wollen wir spezielle Angebote für Studenten und Mitarbeiter der Hochschule entwickeln. Vielleicht werden wir auch einen speziellen Uni-Tarif installieren.

Priorität hat aus meiner Sicht außerdem, dass wir auf Dauer im Welcome-
Center der Stadt Göttingen präsent sind. Das Ziel ist es, Akademiker und Neu-Göttinger dort auf den Golfclub aufmerksam zu machen. Das ist nicht zuletzt deshalb wichtig, da
wir ja geografisch etwas abseits liegen.

Wie gestalten sich die Kontakte zu den benachbarten Clubs?

Der Hardenberg hat sich für die Clubs der Region geöffnet. Abkommen verbinden uns
mit Wilhelmshöhe, Gut Wissmannshof, Rothenberger Haus, Weserbergland-Polle und
Bad Harzburg. Die Kooperationen ermöglichen es den Mitgliedern, jeweils für 50 Prozent des regulären Preises auf den benachbarten Anlagen zu spielen. Eine Ausnahme bildet bislang Gut Wissmannshof, wo der Kostenvorteil bei
40 Prozent liegt.

Was tut sich mit Blick auf die Anlagen untereinander?

Ich kann mir vorstellen, die guten Kontakte zu nutzen, um eine Regionalkonferenz zu initiieren. So könnten sich Synergien erreichen lassen, die etwa das Greenkeeping betreffen.

Insgesamt sollten wir den Erfahrungsaustausch intensivieren. Viele Themen bieten sich
an. Etwa im Hinblick darauf, die Greenfee-Einnahmen auszubauen oder Menschen über
den Golfsport stärker an die Region zu binden. Das Ganze könnte beispielsweise in eine Golfcard für die Region Südniedersachsen sowie Nordhessen und gemeinsame Marketing-Aktionen münden.

Sie haben die Strukturen im Club angesprochen. Welche Veränderungen sehen Sie auf dem Feld?

Ein Beispiel bildet der Sportausschuss. Das Gremium haben wir auf sieben Personen erweitert, um so ein breiteres Meinungsbild zu erhalten. Wir wollen die Wünsche der sportlich ausgerichteten Mitglieder stärker berücksichtigen. In dem Kontext haben wir
etwa die diesjährigen Clubmeisterschaften in einem anderen System ausgetragen, das
auf die über lange Zeit üblichen Vorqualifikationen verzichtet.

Bei den Veränderungen ist es wichtig, dass wir unsere Mitglieder mitnehmen. Was erwartet das Mitglied? Sie oder er wünscht sich einen Platz in gutem Zustand, eine angenehme Atmosphäre in den eigenen Reihen, einen funktionierenden Pro-Shop samt Service-Center und die Kompetenz der Verantwortlichen, den Club wirtschaftlich gut zu führen.

Das bestimmt unser Handeln. Sämtliche Maßnahmen, die wir anpacken, dienen der wirtschaftlichen Stabilität des Clubs. Wir sehen Potentiale, wenn es darum geht, unsere Personal- und Verwaltungskosten zu senken. Insofern werden wir die finanzielle Basis für die Zukunft stärken.

Zu den Potentialen gehört es, dass wir konsequenter die Chancen nutzen, um unsere Greenfee-Einnahmen zu verbessern. Bisher laufen die Aktivitäten stark über die Hotels,
mit denen wir verbunden sind. Da sehen wir sowohl bei der eigenen Vermarktung von Greenfees als auch bei der Turniervermarktung Chancen. In dem Sinne werden wir 2019 eine neue Marketing-Offensive starten, die das Internet und die Homepage stärker als bisher einbindet. Eng wollen wir dabei mit der Stefan-Quirmbach-Golfschule zusammenarbeiten.

Gut vernetzt Oliver Bartels: „Der Hardenberg hat sich für die Clubs der Region geöffnet. Abkommen verbinden uns mit Wilhelmshöhe, Gut Wissmannshof, Rothenberger Haus, Weserbergland-Polle und Bad Harzburg.“

Seit vielen Jahren tragen Sie die Deutschen Meisterschaften der Damen und Herren aus. Welche Perspektiven sehen Sie hier?

Der Wettbewerb lief Anfang September erneut am Hardenberg. Die Veranstaltung war wieder ein großer Erfolg. Sowohl die Aktiven als auch der Verband zeigten sich zufrieden. Zum Abschluss haben wir unsere Bereitschaft erklärt, auch 2019 Gastgeber zu sein. Mal sehen, wie sich der DGV entscheidet.

 

Mehr als zehn Jahre gehörte der Hardenberg zu den festen Stationen der Pro Golf Tour. 2018 war das nicht mehr so. Warum?

Der DGV plant, die Deutschen Meisterschaften der Damen und Herren in einem etwas anderen Rahmen ablaufen zu lassen. Es geht in Richtung offener nationaler Meisterschaften, zu denen sowohl Profis als auch Amateure zugelassen werden sollen.
Das könnten wir stemmen, schließlich haben wir gezeigt, dass wir beide Wettbewerbe einzeln bereits organisieren können. Die Gespräche dazu laufen.

Wie gestaltet sich Ihre Zusammenarbeit mit der Stefan-Quirmbach-Golfschule?

Die Golfschule hat sich langfristig an uns gebunden. Wir freuen uns über diesen tollen Partner. Das gilt übrigens ebenso für die Gastronomie. Beide Partner verstärken die Attraktivität unseres Resorts.

Mit welchen Angeboten punktet die Gastronomie bei den Gästen?

Die Gastronomie hat sich in den letzten fünf Jahren so etabliert, dass auch zahlreiche Nichtgolfer zu uns kommen. Hochzeiten, Geburtstage, Familienfeiern, Firmen-Events
und Aktionen wie Brunch sowie die Winter-Initiative „Zwei für eins“ laufen bei uns. Der rege Zuspruch eröffnet uns als Club Chancen, zusätzliche Menschen für den Golfsport zu interessieren.

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