„Mehr Vielfalt beim Grün-Anspielen“

Golfclub Bad Wildungen: Gespräch mit Christoph Backhaus über den aktuellen Kurs in der Platzpflege

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Zurück zu den Anfängen Wichtig ist es dem Bad Wildunger Vorstandsteam, das Layout des Platzes im Sinne seines Architekten mehr zur Geltung kommen zu lassen, die ursprünglichen Spiellinien stärker zu betonen. Foto: nh

Bei der kommenden Bad Wildunger Mitgliederversammlung im November wird sich Christoph Backhaus als Nachfolger von Jörg Gercke um die Vorstandsaufgabe als Platzwart bewerben. Bereits jetzt engagiert sich der 39-Jährige, dessen Handicap bei 4 liegt, in dem genannten Bereich. „Wenn man mich nicht in meinem Autohaus oder auf dem Heimatplatz findet, spiele ich mit Freunden in der nordhessischen Umgebung Golf“, verrät der Unternehmer.

Herr Backhaus, Ihr Club hat sein Greenkeeping neu aufgestellt. Was sind die Hintergründe dazu?

Es ging uns darum, das Layout des Platzes im Sinne des Golfplatz-Architekten mehr zur Geltung kommen zu lassen, die ursprünglichen Spiellinien stärker zu betonen. Nun ist mal ein flaches, mal ein hohes Anspielen der Grüns über die neuen Approach-Flächen möglich.

Was bedeutet die Neuausrichtung konkret?

Oberstes Ziel war es, die Altschäden der letzten Sommer in den Griff zu bekommen und zu beheben. Wir haben die Flächen abtrassiert und optische Wege um die Grüns gemäht, um die Spieler mit Carts und Trolleys zu lenken. So konnten sich die Approach-Flächen erholen, und es ist mehr Schlagvielfalt beim Anspielen der Grüns möglich.

Des Weiteren wurden die Grüns größer definiert, ein neuer Grünmäher der Marke Toro angeschafft und regelmäßig mit speziellen Geräten belüftet, Sand eingebracht sowie ausgedünnt. Die Greenkeeper erhielten ein sogenanntes Birdiebook, das wöchentlich Arbeitsanweisungen und Schritte benennt. Je nach Arbeitswoche werden bestimmte Flächen mehr oder weniger gemäht, um beide Vollzeit-Greenkeeper so effizient wie möglich den Platz pflegen zu lassen.

Wie wirken sich die Veränderungen auf das Greenkeeping-Team aus?

Wir erreichen eine Effizienzsteigerung bei kleiner Personaldecke und damit eine höhere Motivation.

Von einem alternativen Mähkonzept ist die Rede. Was verbirgt sich dahinter?

Wetterabhängig wird bestimmt, welche Flächen zu mähen sind und welche nicht. Einige Spielflächen, die zur Waldseite hin abfallen, lassen wir so ausmähen, dass der Ball fair liegenbleibt und nicht bei Trockenheit in den Wald rollen kann.

Inwieweit holen Sie sich externe Expertise ins Haus, um die genannten Innovationen in die Praxis umzusetzen?

Wir haben das Glück, einen pensionierten Greenkeeper als Berater im Team zu haben. Außerdem unterstützen uns die Firmen Weimer aus Lollar sowie Aqua Terra aus Neuberg mit einem ehemaligen Greenkeeper aus Bad Homburg bzw. Frankfurt.
Einige Anlagen in der Region vergeben ihr Greenkeeping mittlerweile an externe Dienstleister. Warum setzen Sie weiterhin auf eigene Kräfte?
Wir sind ein eingetragener Verein, dem die komplette Anlage gehört. Spezielle Bedingungen, wie die Lage im Stadtwald mit Schieferboden als Untergrund, machen die Pflege sehr aufwendig.

Unter Kostengesichtspunkten kann es Sinn machen, wenn benachbarte Anlagen beim Greenkeeping punktuell zusammenarbeiten. Was halten Sie davon?

Wir arbeiten sehr gut mit dem Golfclub Kassel-Wilhelmshöhe und dessen Greenkeepern zusammen. Die dortige Lage ist unserer ähnlich. Wir tauschen spezielle Maschinen regelmäßig aus.

„Einige Spielflächen, die zur Waldseite
hin abfallen, lassen wir so ausmähen,
dass der Ball fair liegenbleibt und nicht bei
Trockenheit in den Wald rollen kann.“
Christoph Backhaus

Immer mehr Clubs nehmen aktuell wahr, dass es problematisch werden könnte, die eigenen Flächen auf Dauer ausreichend mit Wasser zu versorgen. Welche Rolle spielt der Aspekt in Ihren Überlegungen?

Auch wir haben in den letzten drei Sommern viele Trockenschäden gehabt und die Bewässerung reduziert. Die Folgeschäden sind enorm – und das Herrichten der Spielflächen ist teuer und zeitaufwendig. Man muss abwägen, was teurer ist. Ich persönlich bin gegen komplettes Abstellen der Bewässerung. Der Austausch einiger Sprinkler durch modernere und effizientere Exemplare kann viel bewirken. So werden die Flächen unter anderem besser mit weniger Wasser versorgt.

Wie sieht es mit der Baumpflege aus?

In diesem Jahr haben wir einen großen Baumschnitt von einem externen Harvester vornehmen lassen. Der alte Kiefernbestand war durch die Wasserknappheit der letzten drei Jahre stark in Mitleidenschaft gezogen worden, und wir mussten allein schon wegen der Sicherung der Verkehrspflicht während der Saison handeln. So kann sich der bestehende Eichenwald besser erholen – und es entsteht ein schönes grünes Waldgebiet. • ralo

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