„Legen mehrjährigen Baustopp ein!”

Wilhelmshöher Präsident Dr. Stefan Heine äußert sich im Interview

0
Wichtiger Schritt „Was mich am meisten freut, ist der Fortschritt bei der Renovierung der Grüns. Der Club verfügt jetzt über zehn komplett neue Grüns, die sich in einem zeitgemäßen und unserem Anspruch angemessenen Zustand präsentieren“, erklärt Präsident Dr. Stefan Heine. Foto: Andreas Berthel / nh

Dr. Stefan Heine stammt aus Kassel. Der verheiratete Vater zweier erwachsener Kinder arbeitet als Zahnarzt. Golf spielt der 59-Jährige seit 1971, damals trat er in den Club Kassel-Wilhelmshöhe ein. Mehr als 20 Jahre gehörte Heine der Mannschaft seines Heimatvereins an, zeitweise leitete er das Team als Captain. 2011 wurde der Nordhesse als Spielführer im Vorstand tätig, seit 2016 steht er als Präsident an der Spitze des Clubs. Im März bestätigten ihn die Mitglieder für drei weitere Jahre in diesem Amt.

Herr Dr. Heine, in den letzten zwei Jahren hat Ihr Club intensiv investiert. Welches waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Projekte?

Unser Club hat, wie schon in der Zeit davor, in den letzten zwei Jahren wirklich sehr intensiv investiert. Hervorzuheben sind aus meiner Sicht die Neugestaltung der Terrasse, die Umgestaltung des Weges sowie der Umgebung zum Caddykeller, die Freilegung der Drusel und die neuen Wege zum Tunnel sowie zum Abschlag 1.

Was mich am meisten freut, ist der Fortschritt bei der Renovierung der Grüns. Der Club verfügt jetzt über zehn komplett neue Grüns, die sich in einem zeitgemäßen und unserem Anspruch angemessenen Zustand präsentieren. Nicht nur die Grünoberflächen wurden erneuert, sondern jedes Loch wurde durch neue Bunker und ein anderes Design der Grünumgebung neu gestaltet.

In einem Verein mit über 900 Mitgliedern gibt es viele Meinungen zur erfolgten Umsetzung dieser Maßnahmen. Der Vorstand hat immer versucht, die Vorschläge und Wünsche, die aus der Mitgliedschaft an uns herangetragen wurden, in die Planung einzubeziehen. Das ist nur in Absprache mit den Golfplatzarchitekten möglich. Wir alle sind Laien, was eine solche Baumaßnahme angeht, und müssen uns insbesondere, was die spezifischen Bedingungen und möglichen Gestaltungen betrifft, auf die Golfplatzplaner verlassen. Und dann trifft der Vorstand nach reiflicher Überlegung die Entscheidung, welche Planung verwirklicht wird.

Inwiefern profitieren die Mitglieder und Gäste von den genannten Investitionen?

Der Mehrwert ist aus meiner Sicht offensichtlich. Wenn ein Mitglied oder Gast unseren Club betritt, findet er ein modernes, aber nicht zu futuristisches Ambiente vor. Unsere Terrasse, die durch ihren Blick auf den Platz zu den schönsten in Kassel gehört, wird immer wieder – auch von unseren Gästen – in den höchsten Tönen gelobt.

Die neuen Grüns stellen vor allem im spielerischen Bereich eine neue Herausforderung dar. Den größten Nutzen sehe ich jedoch in der Tatsache, dass wir die Zeit, in der wir auf wirklich guten Sommergrüns spielen können, um mindestens zwei Monate verlängert haben. Das eröffnet uns auch die Möglichkeit, unsere Greenfee-Einnahmen deutlich zu erhöhen. Diese zusätzlichen Mittel sind ein wichtiger Beitrag für unsere Clubfinanzen.

Baumaßnahmen sind immer mit temporären Einschränkungen verbunden. Wie haben die Aktiven in Kassel diese mitgetragen bzw. darauf reagiert?

Kein Mensch mag Baustellen auf einem Golfplatz. Es hat sich aber im Lauf der Jahre – der erste Neubau fand 2013 statt – gezeigt, dass sich die Zahl der Kritiker, die sich über die Einschränkungen beschweren, mit der Zeit deutlich verringert hat. Das ist meiner Meinung nach der Tatsache geschuldet, dass die meisten Mitglieder erkannt haben, dass es sich lohnt, auf das Endergebnis zu warten.

Den Vorschlägen des Vorstands, mit der Renovierung der Grüns fortzufahren, wurde bei unseren Mitgliederversammlungen immer mit großer Mehrheit zugestimmt. Das werte ich so, dass dieses Vorgehen als notwendig erachtet wird, auch wenn es gewisse Einschränkungen mit sich bringt.

Welche weiteren (Bau-)Projekte laufen in den nächsten Monaten?

Wir beginnen am 8. Juli mit der Erneuerung der Bahnen 2, 3, 4 und 5. Besonders ist, dass Bahn 2 nicht nur ein neues Grün, sondern auch einen neuen Abschlag bekommt. Der erhöhte Abschlag erlaubt es, die Spiellänge der Bahn zwischen 125 und 145 Metern zu variieren. Das geschieht vor allem vor dem Hintergrund, dass die bisherigen Löcher 2 und 8 exakt die gleiche Länge hatten. Das ist im modernen Golfplatzbau definitiv nicht gewünscht und wird, wenn irgend möglich, vermieden. Die gesamte Baumaßnahme wird bis zum Saisonbeginn 2020 abgeschlossen sein. Wir haben dann 14 neue, sehr attraktive Grüns. Die Erneuerung der restlichen vier Grüns, die noch bespielbar sind, wird erst einige Jahre später folgen.

Ab 2020 haben wir erst einmal einen mehrjährigen Baustopp. Diese Zeit dient dazu, auch mal wieder ohne jede Einschränkung baustellenfrei zu spielen. Ich gebe zu, dass ich es gern gesehen hätte, wenn wir die restlichen Grüns zeitnah ebenfalls renoviert hätten. Aber da gibt es auch den finanziellen Aspekt. Der jetzige Vorstand möchte sich auf keinen Fall in ein wirtschaftliches Abenteuer stürzen – und die Mitglieder haben dem zugestimmt!

Wirken sich die zahlreichen Investitionen in Ihrem Club dahingehend aus, dass die Mitgliedschaft teurer wird?

Im Gegenteil. Neu eintretende Mitglieder haben, egal für welche Mitgliedschaftsform sie sich entscheiden, in 2020 keine Aufnahmegebühr mehr zu entrichten. Mehr noch: Man kann ab diesem August bei uns Greenfee-frei spielen, wenn man in 2020 neu eintritt.

Es ist auch nicht beabsichtigt, die Jahresbeiträge in den kommenden Jahren zu erhöhen. In den nächsten Jahren legen wir, wie gesagt, erst einmal eine Baupause ein, so dass besondere Ausgaben nicht anfallen werden. Außerdem sind wir ein gemeinnütziger Verein. Da sind uns, was die Höhe der Jahresbeiträge angeht, Grenzen gesetzt.

Bislang verzichtet Ihr Club darauf, Startzeiten (mit Vorlauf) festzulegen. Wie sehen die Erfahrungen damit aus? Wird das so bleiben?

Was die Möglichkeit angeht, bei uns ohne Startzeiten zu spielen, werden wir an der Regelung festhalten. Es ist eigentlich immer möglich, ohne oder mit einer meist nur kurzen Wartezeit, eine Golfrunde zu beginnen. Wenn man sich allerdings beispielsweise sonntags um 11.00 Uhr an Tee 1 verabredet, weil das schon immer so war, muss man sich nicht wundern, wenn einige andere ebenfalls diese Idee hatten. Solche Stoßzeiten sind aber eher die Ausnahme und stellen keinen Grund dar, etwas zu ändern.