„Golfspielen bei uns muss wieder Spaß machen!“

Dr. Michael Spallek, Präsident des Golfclubs Escheberg, über die neuen Perspektiven seines Vereins

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Herr Dr. Spallek, wie sahen die Entwicklungen rund um die Anlage in den letzten zwölf Monaten aus?
Um die langjährigen Diskussionen und die Streitigkeiten über eine zeitgemäße Anlagenpflege entsprechend den DGV-Spielrichtlinien und dem Stand der Pflegetechnik zu beenden, wurden nach dem Weggang des langjährigen Golfmanagers der GmbH im Sommer 2021 zwischen Clubvorstand und einem Beauftragten der Betreiber-GmbH intensive Verhandlungen zu nachhaltigen Lösungsmöglichkeiten geführt. Die Vereinbarungen zwischen der Betreiber-GmbH mit dem Verpächter der Anlage und dem Club wie auch mit Einzelmitgliedern wurden neu strukturiert, und es wurden Absprachen für eine abschließende Vertragslösung getroffen. Dabei stand für den Club ebenso wie für den Verpächter Philipp von der Malsburg immer nur eine Lösung im Vordergrund, die zukünftig langfristig das Golfspiel auf der Anlage in Escheberg sicherstellt.

Eine gemeinsame Absichtserklärung aller drei Beteiligten konnte im September 2021 fertig­gestellt werden. Sie wurde aber nicht unterzeichnet, da zwischenzeitlich die Anlage seitens der GmbH an eine Investorengruppe verkauft werden sollte. Der Verkauf kam jedoch nicht zustande, so dass im Januar 2022 die Betreiber-GmbH erneut auf den Club zukam, um auf der Basis der vorliegenden Absichtserklärung eine vertragliche Lösung zu vereinbaren.

Wann wurde die aktuelle Vereinbarung (zwischen welchen Akteuren) geschlossen und unterzeichnet?
Die komplizierten Vertragskonstellationen bedingen eine umfassende juristische wie steuerrechtliche Klärung. Da diese Klärung zeitaufwändig ist, wurde im Vorgriff auf den Notarvertrag bereits Anfang März eine Vereinbarung zwischen GmbH und Club geschlossen, die dem Club die uneingeschränkte Nutzung der gesamten Golfanlage und der für die Platzpflege und den ordnungsgemäßen Anlagenbetrieb notwendigen Einrichtungen ermöglicht. Mit der Vereinbarung wurde seitens des Clubs mit der Anlagenpflege begonnen und recht zügig ein attraktiver Spielbetrieb in Escheberg umgesetzt.

Was bedeutet, was bringt dieser Vertrag aus Sicht des Clubs bzw. Vereins?
Mit dem Notarvertrag wird eine neue und langfristige Grundlage für den künftigen Anlagenbetrieb geschaffen. Die bisherige Betreiber-GmbH zieht sich vollständig aus dem Anlagenbetrieb zurück und wird sowohl den Nutzungsvertrag für die Anlage mit dem Club und die individuellen Nutzungsverträge mit den Mitgliedern als auch das Pachtverhältnis des Geländes sowie des Clubhauses auflösen. Zwischen Verpächter und Club werden dann die Pachtverhältnisse für Anlage und Clubhaus neu geordnet. Mit Zahlung einer Vergleichssumme des Clubs an die GmbH werden die Streitigkeiten beigelegt wie auch die Übernahme der Golfanlagen-Betriebsvorrichtungen durch den Club geregelt.

Die neue Pachtvertragskonstellation zwischen dem Club und Herrn von der Malsburg für Anlage und Clubhaus bedeutet für die Beteiligten und alle Clubmitglieder vor allem die Sicherheit für einen zukunftsweisenden und nachhaltigen Anlagenbetrieb in den nächsten Jahrzehnten. Gleichzeitig vereinfacht diese Lösung die Spielmöglichkeiten auf der Anlage für alle derzeitigen wie auch für künftige Escheberger Mitglieder, da für Mitgliedschaft, Golfspiel oder sonstige Anlagennutzung perspektivisch nur noch der Club als alleiniger Ansprechpartner zuständig ist.

Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Vorteile für die Mitglieder des Clubs sowie für die Gäste und Greenfee-Spieler*innen aus der Region?
Mit dieser Lösung können wir künftig nicht nur für unsere Mitglieder das Golfspiel auf einer der landschaftlich schönsten und reizvollsten Anlagen in Nordhessen und Südniedersachsen sicherstellen, sondern machen auch Gut Escheberg und die Destination mit zeitgemäßer und professioneller Anlagenpflege wieder zu einem attraktiven Ausflugsziel für Golfer und Besucher. Das gilt sowohl für die eigenen Mitglieder zum Turnier- oder Spielbetrieb als auch für Gastspieler der nordhessischen Clubs und für Greenfee-Gäste von außerhalb.

Die vereinbarten Greenfee-Abkommen mit nordhessischen Partnerclubs haben sich schon jetzt bewährt. Wir begrüßen viele Gast- und Greenfee-Spieler, die die Anlage intensiv „beschnuppern“. Zahlreiche Aktive kennen und schätzen nicht nur die Lage des Platzes und seine Ferne vom Alltags- und Straßenlärm. Sie schätzen auch eine kurzfristig mögliche Spielmöglichkeit, ohne Vorabbuchung einer Startzeit.

Vor allem genießen sie eine Platzarchitektur, die bereits bei der Planung der Abschläge, Fairways, Grüns und Roughs die damalige Escheberger Geländestruktur berücksichtigt hat. Hier ist von Beginn an eine Anlage in die wunderbare Landschaft des Habichtswalds eingefügt worden – und es wurde damals nicht, wie es heute häufiger von Platzarchitekten bevorzugt wird, die vorhandene Landschaft den vermeintlichen Notwendigkeiten des Golfspiels angepasst. Vor allem Gastspieler aus den anderen Bundesländern und benachbarten Ländern zeigen sich davon angetan, in Escheberg problemlos und in ruhiger Atmosphäre „einen Tag Golfurlaub“ zu verbringen.

Was werden aus Ihrer Perspektive die größten Herausforderungen in kurz- bzw. mittelfristiger Sicht sein?
Unsere kurzfristigen Herausforderungen liegen in dieser Saison mit zwei konkreten Zielen vor allem auf dem Platz und im direkten Umfeld. Die in die Jahre gekommene und nicht mehr zeitgemäße Platz- und Umfeldpflege ist wieder auf einen Stand zu bringen, der den Ansprüchen unserer golfspielenden Mitglieder und den Erwartungen der Greenfee-Gäste entspricht, und muss auf dieser Basis kontinuierlich weiter verbessert und optimiert werden. Golfspielen in Escheberg muss wieder Spaß machen, aber zugleich einem sportlichen Anspruch genügen können. Dazu gehören faire Spielbedingungen auf den Fairways und Grüns wie im Semi-Rough. Schlecht getroffene oder nicht ganz präzise Bälle sollten auch abseits der Fairways ohne lange Suchzeiten auffindbar sein.

Wir haben uns im Vorstand daher entschlossen, die Golfplatzpflege komplett in professionelle Hände zu legen. Das hilft in der Aufbauphase, die uns als Club in den nächsten Jahren bevorsteht, da wir uns nicht auch darum noch kümmern müssen. Diese Entscheidung hat sich schon jetzt, nach kurzer Zeit, als goldrichtig erwiesen. Es ist erstaunlich, was das Greenkeeper-Team der Firma Bruce Johnston um den international erfahrenen Head-Greenkeeper Marco Peschiulli schon in kurzer Zeit an sicht- und spieltechnisch erfahrbaren Verbesserungen bewirken konnte. Zu den bisherigen und weiteren Entwicklungen der Anlagenpflege lohnt immer mal wieder ein Blick auf unsere Homepage unter https://golfclub-escheberg.de/greenkeeping. Dennoch bleibt hier aufgrund der Situation der letzten Jahre auch in den nächsten Spielzeiten noch genügend zu tun.

Das zweite Ziel im Umfeld betrifft „Loch 19“, wo wir möglichst zeitnah nach dem Vertragsabschluss die Clubgastronomie wiederaufleben lassen wollen. Das Clubrestaurant in Escheberg soll unter einem neuen, engagierten und kundenorientierten Pächter auch wieder eine lohnenswerte Anlaufstätte für Nicht-Golfer werden – sei es im Rahmen einer Wanderung, einer Fahrrad- oder Motorradtour, einer privaten Veranstaltung oder bei einem Ausflug zu Kaffee und Kuchen.

Welche Rolle sollen ehemalige bzw. künftige Mitglieder spielen?
Kurz- wie mittelfristig müssen wir Escheberg als Golfstandort und Club wieder so attraktiv gestalten, dass nicht nur viele frühere Escheberger wieder den Weg zu unserem Club zurückfinden. Wir wissen, dass die meisten Ehemaligen dem Club nicht wegen der bisherigen Vorstandsarbeit den Rücken gekehrt haben, sondern fast immer wegen der nicht zufriedenstellenden Spielmöglichkeiten und der damaligen Umfeldbedingungen. Da hierzu jetzt eine nachhaltige Lösung erzielt worden ist, stellt dies kein Hindernis mehr für eine Rückkehr dar.

Darüber hinaus werden wir uns verstärkt der Gewinnung neuer Mitglieder wie auch von Sponsoren zuwenden. Das ist nicht nur notwendig, um in diesen schwierigen und herausfordernden Zeiten eine wirtschaftliche Konsolidierung des Anlagenbetriebes sichern zu können. Wir sind vor allem davon überzeugt, dass gerade Golfen als Individualdisziplin immens viele Möglichkeiten bietet, den Sport nicht termingebunden wie bei einer Mannschaftssportart ausüben zu müssen, sondern dabei vielmehr frei planbar einer eigenen Agenda nachgehen zu können. Ganz abgesehen von den vielfältigen gesundheitlichen Aspekten des Golfsports, nicht nur in Zeiten der Corona-Pandemie.

Es dürfte den meisten Lesern bekannt sein, dass gerade in Coronazeiten das Golfen als Outdoor-Sportart in Deutschland insgesamt wie auch im direkten nordhessischen Umfeld einen Mitgliederzuwachs verzeichnen konnte. Wir meinen, dass der Effekt auch in Escheberg nachgeholt werden kann – die notwendigen Aktivitäten sind bereits in Vorbereitung.

Worauf wird es insbesondere ­ankommen?
Es kommt auf uns alle an! In erster Linie sind unsere aktiven Mitglieder gefragt, im Kreis ihrer Golffreunde immer wieder über den Fortschritt in Escheberg zu berichten und damit aktiv Werbung für eine Mitgliedschaft in dem jetzt sehr attraktiven Club zu betreiben. Wir gehen davon aus, dass wir weiterhin auf die umfangreiche Unterstützung aus dem Kreis der Mitglieder zählen können. Viele helfende Hände haben das beispielsweise durch Mitarbeit bei Arbeitsaktionen auf der Anlage oder durch Unterstützung bzw. Sponsoring bei der Anschaffung notwendiger Materialien überzeugend unter Beweis gestellt.

Es kommt auch auf unsere ehemaligen Mitglieder an. Vielleicht überlegt der eine oder andere ja schon, angesichts unserer erzielten Lösung der Probleme und der Zukunftsaussichten auf die Anlage zurückzukehren. Ein herzliches Willkommen ist jetzt schon zugesagt! Falls nochmals ein überzeugendes Argument notwendig sein sollte: In Escheberg ist der Begriff „Startzeit“ schon seit vielen Jahren ein Fremdwort – ebenso wie die Zahlung einer Investitionsumlage als Eintrittsvoraussetzung. Und schließlich wird es darauf ankommen, dass unser Konzept zum „Neustart in Escheberg“ weitere Sponsoren und vor allem Golfsport-Interessierte in anderen Clubs oder aus anderen Sportarten überzeugen kann!

Wo sehen Sie den Club bzw. die Anlage in fünf bis zehn Jahren?
Uns ist in erster Linie daran gelegen, eine wirtschaftlich gesunde Grundlage für ein langfristiges Golfspiel in Escheberg sowie für den Club und seine Mitglieder sicherzustellen. Das bedeutet gerade im jetzigen schwierigen wirtschaftlichen und politischen Gesamtumfeld mit teilweise immensen Kostensteigerungen im Energiebereich und in der Lebenshaltung nicht zu unterschätzende Herausforderungen mit vielen Unbekannten in der Planung. Aber damit haben alle Clubs zu kämpfen, nicht nur Escheberg.

Vorrangig sehen wir das Ziel, durch Mitgliedergewinnung und den Sportbetrieb eine wirtschaftliche Basis sicherzustellen, nicht zuletzt um die Verpflichtungen durch Pachtverträge oder Dienstleistungsvereinbarungen erfüllen zu können. Erklärtes Ziel ist es, möglichst kurzfristig ohne rote Zahlen bei der Wirtschaftlichkeit und weiterhin ohne eine Notwendigkeit für Startzeiten auszukommen. Dazu ist über die letzten Jahre eine personelle Kontinuität im Vorstand und im Sekretariat aufgebaut worden, die sicherstellen wird, dass Escheberg nach dem Neustart langfristig wirtschaftlich betrieben werden kann.

Anlagentechnisch werden nach einer Phase der momentan notwendigen Grund- und Erhaltungspflege der Spielelemente Sanierungsarbeiten in Angriff genommen werden müssen. Das Design einzelner Bahnen ist mittlerweile in einem Alter, wo man spieltechnisch heutzutage andere sportliche Herausforderungen setzt – sei es durch die Bunkerlage und -anzahl oder interessantere Hindernisgestaltung.

Nicht zuletzt stellt sich die Forderung nach einem umweltbewussten und nachhaltigen Betrieb. Das geht nach unseren Vorstellungen über den Rahmen von DGV-Projekten wie „Golf & Natur“ oder des HGV-Projekts „Lebensraum Golfplatz“ hinaus. Wir freuen uns, dass wir nicht nur Golfspieler haben, die in Naturschutzverbänden aktiv sind und uns dabei unterstützen, sondern dass wir mit Philipp von der Malsburg einen ökologisch und nachhaltig orientierten Verpächter an unserer Seite haben, der mit uns solche Ziele teilt.
• ralo

Geibel ließ sich inspirieren

Die Escheberger Golfanlage wurde auf den ursprünglich landwirtschaftlich genutzten Flächen der Guts- und Forstverwaltung von der Malsburg geplant. Das bekannte Frühlingslied des romantischen Dichters Emanuel Geibel „Der Mai ist gekommen“ soll von den dortigen Wäldern inspiriert worden sein. Er hatte sich in den 1840er-Jahren mehrmals für längere Zeit in Escheberg aufgehalten.

1995 war der Club gegründet und ins Vereinsregister Kassel eingetragen worden. Zwei Jahre später hatte man elf Bahnen fertiggestellt, zwölf Monate danach begann der Spielbetrieb. 1999 weihte die Anlage den kompletten Kurs über 18 Löcher ein. Der langjährige Nutzungsvertrag zwischen der Golfbesitzanlagengesellschaft Zierenberg mbH und dem Club wurde 2001 unterzeichnet. 2020 begingen die Aktiven das 25-jährige Jubiläum, das wegen der Corona-Pandemie leider nicht ausgiebig gefeiert werden konnte.

Den aktuellen Vorstand bilden Dr. Michael Spallek (Präsident), Holger Schmidt (Vizepräsident und Schriftführer), Christina Schmidt (Schatzmeisterin), Kevin Neill (Spielführer), Brian Mills (Jugendwart), Gerd Meuler (Öffentlichkeitsarbeit) und Arnd Ukleia (Obmann). Das Sekretariat leitet Sara Vantaggiato. • ralo

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