Fans sorgen für Gänsehaut-Momente

Björn Werner schildert seine Eindrücke vom Ryder Cup vor den Toren von Paris

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Richtig gut drauf Eine ausgelassene Stimmung herrschte beim Team der Commerzbank zum Auftakt der Betriebssport-Weltmeisterschaften am Strand von La Baule. Foto: nh

Wenn man das Glück hat, dass das erste Profiturnier, das man sich live ansehen will, das Event zwischen der alten und der neuen Welt ist, sind die Erwartungen groß – und die Aufregung in den Tagen zuvor spürbar. Wenn die Reise nach Frankreich dann zum vollen Erfolg wird, gehört der Ryder Cup zu den schönsten Erlebnissen des Jahres.

Neben dem perfekten Park & Ride System beeindruckte mich die tolle Atmosphäre auf der gesamten Anlage. Faszinierend fand ich die Stimmung vor dem allerersten Abschlag am Freitagvormittag.

Es wimmelte an allen drei Tagen von Zuschauern. Nur scheinbar liefen sie durcheinander. Denn jeder schien zu wissen, wohin er wollte und von wo aus man die beste Sicht hat.

Dass die Protagonisten des Turniers zu den besten Spielern der Welt gehören, war mir nicht neu. Schließlich hatte ich im TV schon manches große Turnier gesehen.

Aber ganz nah am Geschehen zu sein, super lange Drives und präzise Annäherungen zu sehen, war ein Erlebnis. Dass Team Europa am Sonntag die Trophäe für den alten Kontinent gewann, markierte das Tüpfelchen auf dem i.

Das Beste war das faire Verhalten der Zuschauer. Jede gelungene Aktion der Asse, egal von welcher Mannschaft, bedachten sie mit Applaus. Vor jedem Schlag herrschte Totenstille, um nach dem Durchschwung den Ball mit guten (oder schlechten), lautstarken Wünschen auf die Reise zu schicken.

Wo bleibt die Politik?

Für Gänsehaut-Momente sorgte, dass die Fans aus Europa, die aus vielen Ländern angereist waren, sämtliche Spieler des Teams frenetisch bejubelten. Die nach meiner Beobachtung größte Zuschauergruppe stellten erwartungsgemäß die Franzosen, gefolgt von Anhängern aus Großbritannien. Dann kamen schon die Deutschen.

Umso bemerkenswerter ist dies, da weder ein Franzose noch ein Deutscher aktiv am Turniergeschehen teilnahm. Jeder der Spieler, Engländer, Ire, Italiener, Spanier und Skandinavier, wurde aus ganzem Herzen angefeuert. Damit ist Golf meines Wissens die einzige Sportart, in der eine gesamteuropäische Mannschaft startet.

Zu den drei Spieltagen kamen jeweils rund 50.000 Fans, außerdem waren Millionen von Fernsehzuschauern dabei. In einer Zeit, in der die europäische Idee vielerorts immer weniger Würdigung erfährt und Nationalisten ihr Süppchen köcheln, war dieser Rückhalt für das Team Europa erhebend.

Größtes Resort Frankreichs
Wenige Kilometer vom Atlantischen Ozean entfernt liegt das mit 45 Löchern größte Golfresort Frankreichs. Der 18-Loch-Kurs Lucien Barrière besteht aus neun recht ebenen Fairways. Die Back Nine verlaufen hügelig und weisen einige Wasserhindernisse auf. Deshalb ist der Abschnitt schwieriger zu spielen. Der Diane Barrière Desseigne Course verfügt über neun breite Fairways. Die restlichen Löcher ranken sich um einen großen See, der eine Fläche von fünf Hektar bedeckt – gut zu übersehen vom Dach des Clubhauses.

Bedauerlich finde ich, dass diese Tatsache weder in den Medien noch durch den Besuch ranghoher Repräsentanten der EU oder der Mitgliedstaaten gewürdigt wurde. Bei Fußballspielen, wo die verbale Nationalkeule mitunter eindrucksvoll geschwungen wird, zeigt man sich dagegen gern mal im TV. Im Sommer des europapolitischen Missvergnügens hätte sich hier eine Chance eröffnet, ein Zeichen zu setzen!

Abschließend sei mir als Fleischermeister die Bemerkung erlaubt, dass man mit einem Bratwurststand auf der Anlage gewiss gute Umsätze gemacht hätte. Mein Fazit: Es war ein tolles Erlebnis, mit vielen Eindrücken von Land und Leuten. Gern wieder!