Ella durchschneidet das rote Band

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Großer Moment Ella durchschneidet das Band und eröffnet damit die neue Fußballgolf-Anlage. Ihr assistieren (v.l.) Dennis Hilgenberg, Herbert Appel, Dieter Müller, Peter Kuttelwascher und Frank Börner. Fotos: Mario Zgoll

Wenn das kein gutes Omen ist: Die Sonne lachte aus allen Knopflöchern, als
die Gudensberger im Frühjahr ihre brandneue Fußballgolf-Anlage einweihten.
Für den ersten Schuss hatte das Team um Dennis Hilgenberg einen ehemaligen Nationalspieler gewinnen können. So knüpfte Mittelstürmer Dieter Müller an erfolgreiche Tage an und schickte den Ball mit einem fulminanten Kick auf die Reise. Und seinen Schlappen gleich hinterher.

Rund 70 Nordhessen nahmen an der offiziellen Eröffnungsfeier teil. Unter sie mischten
sich bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Sport. Grimmheimat-Botschafter Markus Exner kam ebenso wie Bürgermeister Frank Börner, KSV-Hessen- Trainer Tobias Kramer, Unternehmer Dr. Frank Walter, Sponsor Herbert Appel von der Sparkassen-Versicherung, Matthias Dreier als Vertreter der Hospitalskellerei, Physiotherapeut Sacha Lubach und einige Asse des Handball-Bundesligisten MT Melsungen. Blues-Sänger Peter Fuest untermalte das Event musikalisch.

Dank an Bürgermeister

In seiner Ansprache skizzierte Dennis Hilgenberg, wie sich das Projekt der Fußballgolf-Anlage von der ersten Idee bis zur Realisierung entwickelt hatte. Der Golfpark-Geschäftsführer verschwieg nicht, dass der Weg mit einigen Hindernissen gepflastert
war und es galt, manche Widerstände auszuräumen. Davon ließ er sich jedoch nicht entmutigen. „Ich habe immer von dem Tag geträumt, an dem wir diese tollen neun
Bahnen eröffnen und unserer Anlage damit ein weiteres Highlight hinzufügen“, erklärte Hilgenberg.

Er dankte seiner Ehefrau Julia, die ihm in der heißen Phase des Projekts immer zur
Seite gestanden habe. „Du hast mich stets ermutigt, diese tolle Sache zu verwirklichen“, hob er hervor.

Tatkräftige Unterstützung habe der Golfpark von vielen Seiten erhalten. Das gelte
für Partner wie Bürgermeister Frank Börner, dessen Vorgänger Dr. Edgar Franke, die Industrie- und Handelskammer Kassel, Bickhardt Bau in Sachen Erdarbeiten sowie
die Firma John Deere.

Der Geschäftsführer erwähnte die Sparkassen-Versicherung, die das Projekt als
Sponsor begleitet. „Die neuen Bahnen fügen sich ideal in unsere Aktivitäten rund
um die Fußballschulen für Jungen und Mädchen ein“, unterstrich SV-Repräsentant
Herbert Appel.

Gleich 100 Bälle
Wenn man eine neue Fußballgolf-Anlage eröffnen will, gibt es im Vorfeld viele Details zu bedenken. So ist es vorteilhaft, die passenden Bälle zu besorgen. „Zum Start haben wir im Frühjahr gleich rund 100 Bälle geordert“, berichtet Dennis Hilgenberg. Der Golfpark-Chef bestellte fünf verschiedene Größen in unterschiedlichen Gewichtsklassen – damit das sechsjährige Mädchen ebenso damit zurechtkommt wie der zwölfjährige Junge und der Senior mit seinen 70 Lenzen. Der Standardball, vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) für die Bundesliga der Herren vorgegeben, wiegt 440 Gramm. Hilgenberg: „Ich musste eine
Annahme treffen, wie stark unsere Anlage mutmaßlich ausgelastet sein wird. Wir wollen ja niemanden abweisen.“ Gleichzeitig kann der Golfpark nun 54 Erwachsene und 30 Kinder bedienen. Darüber hinaus gibt es noch eine kleine Reserve. Schließlich soll jeder Kicker der (Klein-)Gruppe ein Spielgerät in individueller Farbe haben, damit es auf der Bahn möglichst leicht fällt, „seinen“ Ball zu verfolgen. • ralo

Tapferes Schneiderlein

Um den Zugang zur ersten Bahn der neuen Fußballgolf-Anlage attraktiv zu gestalten,
ließen sich die Gudensberger etwas Originelles einfallen. Damit knüpften sie an das letztjährige Brüder-Grimm-Festival im Kasseler Park Schönfeld an, das Golfer Peter
Zypries organisiert.

Voll durchgezogen Aufmerksam von Ole beobachtet, kickt Ex-Nationalspieler Dieter Müller den ersten Ball auf die Bahn – und der Schlappen fliegt sogleich hinterher.
Fotos: Mario Zgoll

In Absprache mit Zypries gelang es, Elemente aus dem Bühnenbild zum „Tapferen Schneiderlein“ zu erwerben. Zunächst sollte die Konstruktion als Hindernis in eine Bahn integriert werden. „Doch dazu ist sie viel zu schön“, fand nicht nur Pro Henning Hocke und erklärte: „Deshalb dient sie nun auf unserer Märchenterrasse als Bar.“

Nicht zuletzt die Märchen dürften dabei helfen, Kinder
und Grundschulen für die neue Einrichtung zu begeistern. Schließlich ist es nicht entscheidend, welcher Sportart
sich die Youngster zuwenden. „Die Hauptsache ist, sie
sind aktiv und betätigen sich körperlich“, fasst Julia Hilgenberg zusammen.

Das ließ sich ihre Tochter nicht zweimal sagen: So blieb es der kleinen Ella vorbehalten,
das rote Band zu durchschneiden und damit die neun Fußballgolf-Bahnen offiziell zu eröffnen. Anschließend assistierte Ellas Bruder Ole Ex-Nationalspieler Dieter Müller
dabei, den ersten Ball auf die Bahn zu bringen. Dabei motivierte der Youngster den
Oldie offenbar so sehr, dass der frühere Stürmerstar nicht nur das Rund in Bewegung brachte, sondern auch gleich noch seinen Schuh hinterherfliegen ließ ‒ sehr zur Erheiterung aller Beteiligten. Dem prominenten Beispiel folgend, schoss Ole gleich
noch einen hinterher …

Trauer um Schaub

Für einen der 70 Teilnehmer bedeutete die Veranstaltung einen seiner letzten Auftritte
in der Öffentlichkeit. Die Rede ist von Manfred Schaub. Wenig später starb der langjährige Baunataler Bürgermeister im Alter von 60 Jahren völlig unerwartet. Als ein Sportler, der sowohl dem Fußball als auch dem Golfen verbunden war, hatte gerade Schaub sich darauf gefreut, die neue Einrichtung in Gudensberg ausgiebig zu nutzen. • ralo

Flexible Sportler Viele MT-Cracks stehen auf Hand-, Fuß- und Golfbälle – wie die Brüder Michael und Philipp Müller, die zusammen mit Tobias Reichmann und Johannes Golla kamen.
Kollegial verbunden Zu einer ihrer letzten Begegnungen trafen sich die Bürgermeister Frank Börner und Manfred Schaub im Gudensberger Golfpark.

 

 

 

 

 

 

Erste WM in 2007
Beim Fußballgolf soll der Ball mit möglichst wenigen Schüssen ans Ziel gebracht werden.
Zu erreichen ist so die Fahne, die auf einem (mit Beton) ausgegossenen Loch im Boden steht. Wie beim Golf werden nacheinander neun bzw. 18 Bahnen gespielt. Deren Länge beträgt jeweils zwischen 50 und 250 Meter. Für jede Bahn gibt es eine Par-Zahl, die als Richtlinie für die Anzahl der Schüsse dient. Die maximale Anzahl der Schüsse für jede
Bahn beträgt das Dreifache der Par-Angabe.
Jede Berührung des Balls zählt als Schuss. Trifft der Ball ins Rough, so darf er von dort
aus weitergespielt werden. Fliegt oder rollt er auf eine andere Bahn, bekommt der Spieler einen Strafpunkt, und der Ball wird zum Abschusspunkt zurückversetzt. Gelangt der Ball
in die Bepflanzung am Feldrand oder an eine sonst unspielbare Stelle, darf er
zurückversetzt werden – und es gibt einen Strafpunkt.
Die Punkte berechnen sich nach Schüssen und Strafpunkten. Der Spieler mit den wenigsten Punkten gewinnt.
Die erste derartige Einrichtung in Deutschland wurde 2006 in Dirmstein eröffnet. Sie
umfasst 36 Bahnen. Weitere zertifizierte Anlagen gibt es in Detmold, Beckingen, Bodenkirchen, Rehling, Ottendorf-Okrilla, Inzell und Neuried-Dundenheim. Weitere Plätze befinden sich in Schwerin, Pleinfeld, Königswinter-Vinxel, Sande, Hagen, Pfullendorf, Oldenburg und Wiefelstede.
Die erste Fußballgolf-Weltmeisterschaft fand 2007 im Soccerpark in Dirmstein (Deutschland) statt. 2008 war das schwedische Uppsala Gastgeber der zweiten
WM. Es folgten Turniere in Herning (Dänemark), Maçanet de Cabrenys (Spanien),
Varde (Dänemark) sowie Alunda (Schweden). Ihre geliebten Bahnen finden Fans
dieser Sportart in Schweden, Deutschland, Dänemark sowie Norwegen. In Spanien
und Thailand existiert jeweils eine Anlage.
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