Einfacher wäre eindeutig besser!

Pointiert: Bad Arolser Volker Sterzing äußert seine Meinung zu den aktualisierten Golfregeln

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Zu simpel? „Eigentlich hätte man zu der Entscheidung kommen können, den Ball gleich im Erleichterungsbereich hinzulegen“, meint Volker Sterzing. Foto: nh

Alles neu macht der Mai. So sagt es der Volksmund. Bei uns Golfern war es eher der Januar, der Beginn des Jahres, der im Hinblick auf die Regeln einige Innovationen gebracht hat. Wie sind sie zu bewerten? Der Bad Arolser Volker Sterzing nimmt Stellung.

In den meisten Sportarten werden von Zeit zu Zeit die Regeln geändert oder angepasst. Dass dies nicht in allen Fällen zu einer positiven Resonanz bei allen Beteiligten führt, erfährt man derzeit in der aktuellen Diskussion um die Handspielregel im Fußball.

Mehr Tempo im Spiel

Im Golfsport trat mit dem Jahreswechsel ein ganzes Paket an Regeländerungen in Kraft, die sich erst noch im Lauf des Spielbetriebs bewähren müssen. Da sich zum Saisonstart noch viele Amateurgolfer im Winterschlaf befanden, erhielt mancher Aktive über die Profi-Touren im Fernsehen erste Erkenntnisse.

Die Veränderungen der Regeln sollen in erster Linie zu einer schnelleren Spielgeschwindigkeit führen. Insbesondere das Steckenlassen der Fahne, die verkürzte Suche und die Ready-Golfmöglichkeit geben dem Spiel objektiv Tempo. In einer Zeit, in der die Freizeit immer mehr durch die berufliche Belastung beeinflusst wird, sehe ich darin einen nicht unerheblichen Grund, die Initiative positiv zu bewerten.

Heutzutage wird von vielen Arbeitnehmern fast eine Rundum-Erreichbarkeit erwartet. Die sozialen Medien drängen immer häufiger in die freie Zeit. Und so bleiben immer weniger Stunden, um eine entspannte Runde Golf zu spielen.

Jeder Golfer hat sich schon über eine Runde geärgert, die länger als fünf Stunden dauerte, weil die voraus spielenden Gruppen zu langsam unterwegs waren. Das könnte sich zumindest teilweise durch die neuen Regeln verbessern.

Mit sich im Reinen

Ein weiterer, meines Erachtens positiver Aspekt ist die Aufnahme der Integrität des Spielers in die Regeln. Im Golfsport gibt es nun mal grundsätzlich keinen Schiedsrichter wie in anderen Sportarten. Es ist deshalb wichtig, dass die Integrität in die Golfregeln aufgenommen wurde.

Jeder Aktive muss verinnerlichen, dass er sich mit einer zu weit ausgelegten
Regelinterpretation nur selbst betrügt. Der „Spirit of the Game“ sollte dazu führen, mit sich selbst besonders streng umzugehen. Ich bewundere daher die Profis, die bei der kleinsten Bewegung des Balles eine Strafe auf sich nehmen, aber mit sich selbst dadurch im Reinen bleiben!

Anfänger überfordert

Was mir persönlich nach den ersten Runden eher negativ auffällt, sind die weiterhin zahlreichen Varianten, die insbesondere für Anfänger kaum zu beherrschen sind. Das Droppen des Balles aus Kniehöhe erscheint selbst einigen Profis als lächerlich. Wenn man aber bedenkt, dass die Golfer noch bis 1984 über die Schulter gedroppt haben, wird man sich auch an diese noch ungewöhnliche Bewegung gewöhnen.

Eigentlich hätte man zu der Entscheidung kommen können, den Ball gleich im Erleichterungsbereich hinzulegen. Das wäre sicherlich die simpelste Variante gewesen. Aber was ist schon einfach?

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