„Der Sport spielt eine wichtige Rolle!“

Sarah Becker, Geschäftsführerin bei Wohnwagen Becker, über Trends in der Caravaning-Branche

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Der Sonne entgegen Das starke Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit spielt eine zentrale Rolle bei den vielen Menschen, die sich in den letzten Jahren für das Caravaning interessieren. Fotos: nh

In manchen Branchen hat das Coronavirus während der vergangenen Monate tiefe Bremsspuren hinterlassen. Andere Wirtschaftszweige verzeichnen keinerlei Abwärtsbewegungen. Im Gegenteil, sie boomen. Dazu zählen Unternehmen, die sich mit Caravaning beschäftigen. Sarah Becker, Chefin von Wohnwagen Becker in Fuldatal, äußert sich dazu im Interview. 

Frau Becker, wie hat sich die Nachfrage nach Ihren Produkten in den vergangenen zwei Jahren entwickelt?

Von Jahr zu Jahr verzeichnen wir Zuwächse. Das stärkste Wachstum erreichen Reisemobile, insbesondere die Sparte der Kastenwagen bzw. Camper-Vans. Oft sind es Einsteiger – aber auch Kunden, die das Fahrzeug als Zweitwagen nutzen. Generell beobachten wir, dass zum Einstieg ein kompaktes Fahrzeug gewünscht wird.

Welche Aspekte spielen aus Sicht der Interessenten eine zentrale Rolle?

Ganz oben auf der Agenda rangieren Faktoren wie Freiheit, Spontaneität, Flexibilität und Unabhängigkeit. Positiv wirkt sich nicht zuletzt der Imagewandel unserer Branche aus, der auch digital unter #vanlife zum Ausdruck kommt.

Wie hat das Coronavirus seit März Ihre Aktivitäten beeinflusst?

Zunächst einmal traf uns der Lockdown hart. Danach setzte jedoch eine extrem hohe Nachfrage in allen Bereichen ein. Für den Verkauf galt das ebenso wie für die Vermietung. Aber auch im Service und Teile-Shop hatten wir sehr viel zu tun. Insofern bewegten wir uns von einem Extrem ins andere.

Insgesamt haben wir in diesem Jahr sehr viele Neukunden gewonnen. Das hängt sicherlich mit überzeugenden Hygienekonzepten zusammen. Diese haben wir gemäß den Vorgaben der Ordnungsbehörden umgesetzt und sie haben gute Akzeptanz sowohl von den Kunden als auch von den Mitarbeitern erhalten.

Rahmenbedingungen entwickeln Unternehmerin Sarah Becker: „Wichtig wird sein, dass die Infrastruktur mitwächst. Das betrifft den Ausbau von Stellflächen und Campingplätzen – in Kooperation mit Tourismusverbänden und Kommunen.“

Welche Rolle spielt der Sport bei diesem Boom?

Der Sport spielt eine wichtige Rolle. Wir haben viele Kunden, die Sportarten ausüben, bei denen das Equipment zu berücksichtigen ist. Das gilt etwa für Tennis, Kanu, Golfen, Surfen, Stand-Up-Paddling und teilweise für den Wintersport. In dem Zusammenhang ist immer die Transportfrage zu klären. Wer dazu auf unsere Produkte setzt, für den werden Reisen zu den schönsten Plätzen ganz direkt möglich. Und oft kann in unmittelbarer Nähe übernachtet werden.

Wie nähern sich die Interessenten dem Caravaning?

Viele sind gut vorinformiert. Sie sprechen mit Freunden sowie Nachbarn und machen sich im Internet ein Bild. Allerdings gibt es auch Interessenten, die völlig unbedarft kommen.

Inwieweit beobachten Sie in dem Kontext aktuelle Veränderungen?

Erstaunlicherweise gibt es manchen Neueinsteiger, der, statt zuerst zu mieten, direkt kauft. Die Gründe haben mit Unabhängigkeit, Flexibilität und teilweise mit der Geldanlage zu tun. In der Regel läuft es jedoch anders. Man mietet verschiedene Fahrzeugtypen, um das „perfekte“ Fahrzeug zu finden.

Stauraum erforderlich Mit dem Wohnmobil reisen zunehmend Zeitgenossen an ihr Ziel, die Sportarten ausüben, bei denen das Equipment zu berücksichtigen ist. Das gilt unter anderem für die Disziplinen Tennis, Kanufahren, Golfen, Surfen, Stand-Up-Paddling und den Wintersport.

Welche Zielgruppen nehmen Ihre Angebote heute stärker wahr als zuvor?

Das sind die Millennials, also Menschen im Alter ab 25 Jahren. Aber auch mehr Familien und die sogenannten Besserverdiener kommen zu uns.

Worauf führen Sie das zurück?

Der positive Image-Wandel zahlt sich aus. Aktuell kommen teilweise die fehlenden Alternativen hinzu. Neben dem Sicherheitsgefühl und der Flexibilität zählt der Wunsch nach einem eigenen, hohen Hygienestandard. Auch macht sich die positive Entwicklung der Infrastruktur bemerkbar. Dazu gehören die Fünf-Sterne-Campingplätze sowie die Stellplätze bei Weingütern, Golfplätzen und Outlets.

Welche weiteren Zielgruppen wollen Sie mittel- und langfristig für Ihre Aktivitäten gewinnen?

Zunächst einmal geht es darum, die vorhandenen Zielgruppen weiter auszubauen. Aufgrund unseres breiten Portfolios haben wir es aktuell schon mit einem breiten Spektrum an Zielgruppen zu tun. Etwa bei den Best Agers mit sportlichem Hintergrund und den Kreuzfahrern können wir bestimmt noch zulegen.

Wie beurteilen Sie die Perspektiven des Caravanings in den kommenden drei bis fünf Jahren?

Es wird weitere Zuwächse geben, allerdings nicht in dem Umfang der letzten zwölf Monate. Erfreulicherweise ist keine Trendwende in Sicht.

Worauf wird es bei dem Wachstum insbesondere ankommen?

Wichtig wird sein, dass die Infrastruktur mitwächst. Das betrifft den Ausbau von Stellflächen und Campingplätzen – in Kooperation mit Tourismusverbänden und Kommunen. Darüber hinaus gilt es, in digitale Lösungen für Verfügbarkeitsanzeigen und Buchungsmöglichkeiten zu investieren. Und im Hinblick auf unsere Produkte müssen wir die hohen Ansprüche erfüllen, die Neukunden aus anderen Branchen gewöhnt sind. Ich denke vor allem an Assistenzsysteme, den Komfort und die Qualität in den Fahrzeugen sowie die Professionalität in der Beratung und Abwicklung. • ralo

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