„Der Chapman-Vierer ist mein Favorit“

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Siege in Serie So oft wie sie hat bislang keine Spielerin in Escheberg den großen Pokal der Clubmeisterin in ihren Händen gehalten. Foto: nh

Die Damenkonkurrenz auf Gut Escheberg hat sie in den letzten zwei Jahrzehnten so geprägt wie keine andere Spielerin. Insgesamt zwölfmal holte sich Petra Pötter den Titel der Clubmeisterin. Und doch steht für sie der Spaß am Sport deutlich über dem Leistungsstreben. Mehr über ihre Gedanken und Einstellungen verrät die außergewöhnliche Linkshänderin im folgenden Frage-und-Antwort-Spiel.

Einblicke gewinnen Petra Pötter: „Es besitzt zuweilen einen hohen Unterhaltungswert, im Vorfeld einer Golfrunde oder eines Turniers das Treiben auf der Driving Range mit allen seinen Facetten zu beobachten.“ Foto: nh

Petra Pötter, wie sind Sie einst zum Golfen gekommen?

Bis zu meinem Schnupperkurs stand Golf als Sport für mich nie ernsthaft zur Debatte. Unter Sport verstand ich immer Ausdauer – oder eben den Reitsport, den ich viele Jahre ausüben durfte. Aber der Faszination und Schwierigkeit, den Ball optimal zu treffen und fliegen zu sehen, konnte ich mich später, wie viele andere, danach nicht mehr entziehen.

Was schätzen Sie an der Sportart besonders?

Es gibt mehrere Faktoren. Am meisten schätze ich die Herausforderung und die Nichtplanbarkeit des Spiels. Nicht weniger wichtig sind für mich die Naturverbundenheit, der Spaß und die Spannung des Golfsports. Auch finde ich es schön, den Sport allein oder mit mehreren Personen just for fun oder turniermäßig auszuüben.

Wie oft pro Monat trainieren Sie, wie häufig teen Sie durchschnittlich auf?

Ich versuche, es mir drei- bis viermal pro Woche fest einzurichten. Wobei die eine oder andere spontane Golfrunde dazukommt.

Welcher ist Ihr Lieblingsschläger?

Ein Urteil fällt mir schwer, da ich alle Schläger gern spiele. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich meinen Lieblingsschläger für das kurze Spiel favorisieren, das Pitching Wedge.

In welchem Turniermodus spielen Sie besonders gern?

Mein Favorit ist der Chapman-Vierer als Teamspiel. Taktisch und strategisch müssen zwei Spieler gemeinsam die richtige Entscheidung treffen und Stärken sowie Schwächen des Mitspielers richtig einkalkulieren. Dieser Turniermodus ist fast immer ein Garant für gute Stimmung, Spannung und Spielspaß. Allerdings nicht immer bei Ehepaaren …

Welche besondere Anekdote verbinden Sie mit dem Golfsport?

Es besitzt zuweilen einen hohen Unterhaltungswert, im Vorfeld einer Golfrunde oder eines Turniers das Treiben auf der Driving Range mit allen seinen Facetten zu beobachten. Der bzw. die Golfspieler(in) ist schon eine besondere Spezies.

Bewegend finde ich, wenn es nach minutenlangem Verharren in der Ansprechposition doch zu einem Schlag kommt und das Spiel fortgesetzt werden kann. Denn es kommt wieder Bewegung ins Spiel. Als besonders traurig erlebe ich die oft hilflose Suche nach Leihschlägern für Linkshänder angesichts des großen Angebots für Rechtshänder. Da fühlt man sich schon benachteiligt! Viel Mitleid empfinde ich für alle Spieler, die socketieren; das ist meines Erachtens der schlimmste Fehlschlag beim Golfen.

Inwieweit haben Sie Freundschaften über das Golfen schließen können?

Viele unserer Freunde und Bekannten, mit denen wir Zeit verbringen und zuweilen auch gemeinsam in den Urlaub fahren, kommen inzwischen aus dem Golfsport. Ich hoffe, das bleibt so, auch wenn man sicherlich irgendwann mal diesen Sport nicht mehr ausüben kann.

Einfach gespiegelt
Dass Linkshänder hervorragend Golf spielen können, ist spätestens seit Bob Charles bekannt. Der Neuseeländer gewann 1963 die British Open und wechselte später auf die Senior Tour, wo er 23 Siege einfuhr. Menschen, die ansonsten im Alltag alles mit rechts machen, wechseln beim Golfen gern die Seiten.
Zu den populärsten zählt US-Profi Phil Mickelson, der mit anderthalb Jahren seinen ersten Golfschwung machte. Er ahmte die „gespiegelten“ Schwünge seines rechtshändigen Vaters einfach nach.
Gibt es die bessere oder leichtere Seite, um im Golfen voranzukommen? Martin Domke nahm sich an der Sporthochschule Köln des Themas an. Das Ergebnis mag überraschen: Zwischen Anfängern, die entweder mit dem „klassischen“ oder dem „andersseitigen“ Schwung das Spiel erlernten, traten keine signifikanten Leistungsunterschiede auf. Das gilt fürs Putten, Chippen und den vollen Schwung gleichermaßen. Beide Testgruppen waren von der Effektivität ihres erlernten Schwungs überzeugt und äußerten sich im Hinblick auf das Schwunggefühl positiv.

Wie gehen Sie mit Krisen auf dem Platz um?

Welche Krisen? Es hilft, schlechte Schläge schnell zu vergessen und nicht mit dem Ergebnis zu hadern – und sämtliche Sätze nach der Golfrunde mit „eigentlich“ oder „gestern“ zu beginnen.

Inwieweit verändert sich der Golfsport in Ihrer Wahrnehmung?

Die Wahrnehmung hängt meines Erachtens stark von den Erfahrungen im Heimatclub ab. Da gibt es derzeit sicher einige Defizite, angefangen beim fehlenden Nachwuchs und der demographischen Entwicklung, der sich aber alle Clubs stellen müssen.

Ich wünsche mir, dass sich der Golfsport mehr in Richtung Breitensport entwickelt. Die Barrieren für den Eintritt sind zuweilen doch sehr hoch!

Welche Plätze in Nordhessen bzw. Südniedersachsen mögen Sie vor allem?

Im Grunde genommen hat jede Anlage ihren individuellen Reiz. Und die Wahrnehmungen sind immer subjektiv. Hat man gut gespielt, gefällt einem oft die Anlage besser.

Toll ist in der Regel immer ein stimmiges Gesamtpaket, das aus dem Layout, der Kombination aus Schwierigkeit und Spielspaß, der Lage des Platzes, der Platzpflege und der Gastronomie besteht. Ich spiele alle Plätze in unserer Region gern; es würde mir schwerfallen, eine Anlage im Vergleich mit einer anderen hervorzuheben.

An welche Runde auf einem Platz jenseits der Grenzen erinnern Sie sich gern?

Der Platz Ile aux Cerfs auf Mauritius hat ein Alleinstellungsmerkmal. Nicht, weil Bernhard Langer ihn designt hat, der angeblich nie da gewesen sein soll, weil er die einmalige, 15-minütige Anfahrt per Boot zur Insel scheute. Die Bahnen in der subtropischen Vegetation und mit wunderschönen Aussichten auf den Indischen Ozean, mit seinen tollen Farben, sind einzigartig.

Welchen Platz möchten Sie in den nächsten Jahren unbedingt spielen?

Einen speziellen Wunsch habe ich nicht. Aber ich würde gern die eine oder andere Anlage in Italien kennenlernen.

Was wünschen Sie sich von oder für Ihre golferische Umgebung?

In unserer Umgebung hat sich viel getan. Angefangen mit der Golfanlage Wissmannshof, die ein besonderes Prädikat verdient – nicht zuletzt vom unternehmerischen Anspruch her. Zu übersehen sind die Platzverbesserungen im Wilhelmshöher Club nicht, der auch sportlich sehr erfolgreich positioniert ist und eine hervorragende Jugendarbeit leistet.

Für meinen Heimatclub Escheberg wünsche ich mir, dass er in jeder Hinsicht wieder Anschluss gewinnt. Ich hoffe, dass es den Verantwortlichen gelingt, dafür die Weichen zu stellen. Alles andere wäre schade!

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