Auf den Kasseler Grüns zum WM-Titel

Die besten Linkshänder aus aller Welt trafen sich zu ihrem großen Turnier in der Region

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Die 26. Golfweltmeisterschaften der Linkshänder führten mehr als 220 Aktive aus
16 Ländern in die Region. Gespielt wurde auf den Plätzen Paderborner Land, Schmallenberg, Paderborn Haxterpark und Kassel. Neben Europäern waren Golferinnen und Golfer aus Taiwan, China, Australien, Neuseeland, Uganda, Japan, Kanada und den USA angereist.

Überragender Akteur Der Heddesheimer Yannick Rosenberger hatte allen Grund zur Freude. In allen drei Runden blieb er unter Par und holte sich so souverän den Titel in der Offenen Klasse.

Erstmals gewann ein Deutscher die Offene Klasse. Yannick Rosenberger vom Club Heddesheim spielte alle drei Runden unter Par. Er beendete das Turnier mit dem Gesamtscore von -6. Selbst für ein Ass wie Rosenberger, dessen Handicap bei 0 liegt, ein glänzende Vorstellung!

In seiner Ansprache lobte der Champion den Pflegezustand der Plätze, von denen er noch keinen zuvor gespielt hatte. „Es hat riesig Spaß gemacht“, erklärte Rosenberger. Über seine glänzende Form freute er sich, auch wenn sie ihn nicht überraschte. „Ich erwarte auch auf einem fremden Platz von mir, dass ich eine Par-Runde hinbekomme“, machte der Weltmeister deutlich.

Auch unter den Supersenioren siegte ein Einheimischer. Es war der Bayreuther Joachim Plattner. Die beiden weiteren Titel gingen an die Australierin Johanna Wyllie sowie den Amerikaner Joe Brogdon.

Die Erfolge der beiden Deutschen führten dazu, dass sie beim Kampf um die begehrte Doug Crosby Trophy vorn dabei waren. Sogar so weit, dass die Trophäe für die beste Nation an das Team Germany ging.

Vorlauf von 18 Monaten

Dynamischer Aufschwung
Mit dem Gesamtscore von -6 gewann der Deutsche seinen Weltmeistertitel.

Mehr als 18 Monate Vorbereitungszeit hatte Jörg Schirmak in die Weltmeisterschaften investiert. Mit dem Verlauf zeigte sich der Briloner durchaus zufrieden. „Wir haben uns als Gastgeber ganz gut präsentiert“, fand der Zweite Vorsitzende der deutschen Organisation, für den die Heim-WM das vierte Event im Rahmen der weltbesten Lefties bedeutete.

Die Community, so Schirmak, ermöglicht Kontakte und öffnet Türen rund um den Globus. Man könne kreuz und quer durch die Welt reisen – fast immer finde sich irgendwo ein Linkshänder, der dem Partner seinen Heimatplatz zeigen und gemeinsam auf die Runde gehen wolle. Diese Drähte bringt Schirmak regelmäßig zum Glühen. In dem Kontext war er schon in Schottland, Irland sowie dreimal in den USA unterwegs und wurde dort zu interessanten Turnieren eingeladen. Schon jetzt freut sich der Sauerländer auf die WM im kommenden Jahr. Stattfinden wird sie vor den Toren der französischen Metropole Paris.

Der 55-Jährige, dessen Handicap bei 8,2 liegt, spielt seit 2000 Golf. Beruflich ist er im Vertrieb eines schwedischen Unternehmens tätig.

An den Edersee
Klar, dass ein solches Mega-Event nicht ohne Sponsoren läuft. So unterstützten der Sportartikelhersteller Adidas, die Warsteiner Brauerei sowie der Fremdenverkehrsverbund in Willingen die Weltmeisterschaft.
Letzterer sorgte für das Rahmenprogramm, an dem die Ehe- und Begleitpartner der Aktiven teilnehmen konnten. Es führte unter anderem ins Schloss nach Bad Arolsen sowie mit einem Ausflugsdampfer auf den Edersee. In Korbach rückten die Fachwerkhäuser in den Blickpunkt des Interesses.

„Sind das die Alpen?“

Für das Team um die Kasseler Geschäftsführerin Andrea Klug war es eine besondere Herausforderung, die Aktiven aus aller Welt zu betreuen. Dabei hatte es durchaus einen langen Vorlauf gegeben, bis die weltbesten Lefties unter dem Herkules aufteeten. Der frühere Wilhelmshöher Spielführer Roger Terbrüsch hatte als Erster die Idee gehabt, die Linkshänder-WM nach Nordhessen zu holen. Vor zweieinhalb Jahren konkretisierte der Briloner Jörg Schirmak die Initiative. Ihn kennt Klug schon aus den Tagen, als sie noch für die Waldecker Anlage arbeitete. „Für solch ein ’außergewöhnliches, geradezu einzigartiges Event lassen wir uns gern begeistern“, so die Geschäftsführerin.

Dass die für Dienstag der Turnierwoche geplante Runde wetterbedingt ausfallen musste, bedauert sie. Umso mehr freut sich Klug, dass zahlreiche Aktive den folgenden Mittwoch, der als spielfreier Tag eingeplant war, dafür nutzten, die Wilhelmshöher Fairways und Grüns ohne Wettspieldruck kennenzulernen.

Kreativität gefragt „Wenn die gängigen Sprachen nicht mehr halfen, mussten wir uns mit Händen und Füßen verständigen“, so Geschäftsführerin Andrea Klug.

Unabhängig davon war Klugs Team an den drei anderen Turniertagen voll gefordert. In Deutsch, Englisch und Französisch kommunizierte das Quartett virtuos mit den Teilnehmern. Mehr noch: Da sich manche Golferinnen und Golfer in den genannten Sprachen kaum verständigen konnten, „mussten wir uns zwangsläufig mit Händen und Füßen helfen“, witzelt Klug – insbesondere mit Blick auf die Aktiven aus China und Afrika. „Und wenn gar nichts mehr ging, haben wir die Teilnehmer an die Hand genommen und sie zur Driving-Range oder zu Tee 1 geführt“, blickt Klugs Kollegin Andrea Frömming zurück.

Ein Golfer erschien ziemlich aufgeregt am Empfang und verlangte lautstark nach einem „Caddie“. Wie sich zeigte, meinte der Asiate einen Trolley. Das Problem: Sämtliche verfügbaren Trolleys waren bereits vergriffen. Klug wusste Rat. Kurzentschlossen rief sie bei einem Kasseler Mitglied an und holte sich das Okay, dass der Gast dessen E-Trolley für die 18 Bahnen nutzen durfte. Frei nach dem Motto aus der Werbung: Hier werden Sie geholfen!

Dass der E-Trolley auf den mitunter bergigen Kasseler Fairways, auf denen knackige 200 Höhenmeter zu bewältigen sind, durchaus hilfreich sein kann, zeigte sich an einer spontan geäußerten Frage, mit der sich ein von weit her angereister Teilnehmer nach der Runde an Fabienne Staub wandte. Was er wissen wollte: „Sind das hier die Alpen?“

Lob für den Briloner Platz
Die Briloner Anlage gehörte zwar nicht zu den Turnierplätzen, wurde aber von vielen Aktiven zum Training genutzt. Die Resonanz fiel positiv aus, die internationalen Gäste attestierten dem Platz eine gute Pflege und „einen anspruchsvollen Schwierigkeitsgrad“, berichtet Lokalmatador Jörg Schirmak. Neben ihm beteiligten sich die Sauerländer Tom Schwarzer, Gerd Ebben sowie Dirk Grebe. Schirmak fügt hinzu: „Einige WM-Teilnehmer konnten sich nicht verkneifen, schmunzelnd für die steile siebte Bahn einen Schrägaufzug zu fordern!“
In der Gesamtwertung erreichte Schirmak, der als Zweiter Vorsitzender des deutschen Linkshandverbandes NALG für die Organisation mitverantwortlich zeichnete, in der Offenen Klasse Platz 15 unter 82 Startern. Grebe landete im vorderen Mittelfeld auf Platz 31

Enten am Fairway

Zu den Nordhessen, die bei der WM mitspielten, zählte Jörg Panthöfer. Für den IT-Chef des Kasseler Unternehmens Sagaflor, markierte das Event die persönliche Premiere im Rahmen der Lefties. „Es war eine tolle Turnierwoche. Vor allem das internationale Flair fand ich großartig. Mit völlig unterschiedlichen Menschen aus aller Welt im Flight auf die Runde zu gehen, ist ein großartiges Erlebnis“, fasste der Fritzlarer zusammen. Jeweils begleitete ihn mindestens ein Chinese im Flight, außerdem hatte er Mitspieler aus Deutschland, Frankreich, Australien und Neuseeland gehabt.

Panthöfer erläutert: „Ein wenig erstaunt war ich darüber, dass nur wenige der chinesischen Teilnehmer englisch sprachen, während sich mein Mitspieler aus Frankreich prima auf Englisch verständigen konnte.“

Zu den WM-Routiniers gehört Peter Nolan. Der Australier, der schon mehr als 20 Lefty-Weltmeisterschaften gespielt hat, weilte im Mai zum zweiten Mal in Deutschland. Vor 19 Jahren war Nolan schon bei der Veranstaltung in Bad Griesbach dabei gewesen. „Mit Ausnahme des Regentages am Dienstag war es eine tolle Woche“, erklärt er. Ostwestfalen und Nordhessen seien landschaftlich sehr schön. Er habe die Runden genossen, wenngleich er mit seinem Spiel nicht ganz zufrieden gewesen sei.

Gleich fällt er Mehr als 18 Monate Vorbereitungszeit hatte der Briloner Jörg Schirmak – hier beim Putten – in die WM investiert.

Ähnlich sah es Bert Herrmann. „Golferisch war mehr drin, aber es hat Spaß gemacht“, so der Sachse, der dem Golfclub Zwickau angehört. Erstmals hatte er in der Region Golf gespielt – und dabei viele neue Kontakte geknüpft. „Lebhaft in Erinnerung bleiben“ werden Herrmann die elf jungen Enten, die am Finaltag plötzlich auf dem Fairway des Clubs Paderborner Land vor ihm und seinen Mitspielern auftauchten …

„Die Woche hier in Deutschland habe ich sehr genossen“, bilanzierte Crick Yang. Der Taiwanese, der seit 13 Jahren Golf spielt, hat sich für die WM 2020 in Frankreich schon ein Ziel gesetzt: „Dann will ich auf allen Runden unter 100 Schlägen bleiben.“

Zum 13. Mal hatte Jan Johansson bei den weltbesten Linkshändern aufgeteet. Der Schwede war bereits 2000 in Bad Griesbach dabei gewesen. Den besonderen Reiz der Lefty-Events macht aus seiner Sicht aus, dass die Teilnehmer zu so unterschiedlichen und teilweise exotischen Golfzielen wie Kanada, Taiwan und Japan aufbrechen. Am Ende des Jahres geht der Skandinavier in den Ruhestand. Seine zusätzlichen Freiheiten will er dann nutzen, um noch mehr durch die Welt zu reisen.

Zwei Asse an der Schanze

Christian Fust äußerte sich als Mitglied des Orga-Teams: „Als Veranstalter sind wir mit dem Verlauf hochzufrieden. Umso mehr freuen wir uns, dass das genauso für die Teilnehmer aus aller Welt gilt“, so der Aktive aus dem Kölner Raum. Vor allem die waldreiche Landschaft Ostwestfalens und Nordhessens habe es den Gästen angetan – insbesondere den Asiaten.

Er selbst blickt auf tolle Reisen sowie Erlebnisse mit den Lefties zurück. Im taiwanesischen Taipeh hatte er seine Drives ebenso auf die Bahnen gesetzt wie im amerikanischen Orlando und 2017 down under, im australischen Melbourne. Außerdem erinnert Fust sich gern an die Destinationen Japan und Neuseeland.

Sand Wedge durchziehen
„Vor allem das internationale Flair fand ich großartig“, fasst der Fritzlarer Jörg Panthöfer zusammen – hier beim Schlag aus dem Bunker.

Für den spielfreien Mittwoch hatten sich Fust und die Organisatoren ein spektakuläres Event an der Willinger Mühlenkopfschanze einfallen lassen. Es handelte sich um den Wettbewerb „Nearest to the Pin“ der besonderen Art. Das Ziel war es, vom Abschlag auf der Tribüne aus ein kleines Wasserbecken, das Kinder zum Planschen verwenden, im Auslauf der Schanze mit einem Schlag zu treffen – die einen mal einen Meter umfassende Fläche aus einer Entfernung von etwa 130 Metern direkt zu erreichen …

Die meisten der 90 Aktiven nahmen angesichts des Höhenunterschieds ein Pitching-Wedge in die Hand. Zwei von ihnen zeigten sich überaus zielsicher, schafften es und trafen! „Klar, dass die beiden Hole-in-One-Treffer ausgiebig gefeiert und begossen wurden“, schmunzelt Schirmak.

Mit einem fulminanten Finale fand die Turnierwoche im Willinger Sauerland-Stern ihren Abschluss. Bei Sauerländer Spezialitäten stärkten sich die Teilnehmer ein letztes Mal gemeinsam, bevor sie den teilweise weiten Heimweg antraten.

Für den stimmungsvollen Rahmen sorgten die wuchtigen Bläser des Musikvereins Bontkirchen. Fulminant intonierte der Klangkörper den Klassiker „When the Saints go marching in“ – das Publikum dankte es mit lang anhaltendem Applaus. Jeder Teilnehmer erhielt als Erinnerungsstück ein künstlerisch verziertes Bierglas, in das der Vor- und Nachname eingraviert worden war.

Zweimal mit Zielwasser Am spielfreien Mittwoch war an der Willinger Mühlenkopfschanze der Wettbewerb „Nearest to the Pin“ angesagt. Aus 130 Metern Distanz sollte ein kleines Wasserbecken getroffen werden.

Die Abschlusszeremonie nutzte der deutsche NALG-Vorsitzende Joseph Langenberger, um die Fahne des Weltverbandes symbolisch an seinen französischen Kollegen Dominique Lacam zu überreichen. Er tat es aus einem guten Grund: Die nächste WM findet im August 2020 in Paris statt. Unter anderem wird dann auf der Top-Anlage Golf National gespielt, wo 2018 der Ryder Cup ausgetragen wurde.

Danach werden die Chinesen die Gastgeberrolle übernehmen. Eine Runde im Reich der Mitte soll im Mega-Resort Mission Hills bei Hongkong gespielt werden – glänzende Aussichten, die selbst die Herzen vieler weitgereister Lefties höher schlagen lassen dürften!

Vive la France
Für Dominique Lacam war es das erste Mal, dass er Deutschland besuchte. „Es war toll hier. Wir werden alles geben, damit sich die besten Linkshänder der Welt im nächsten Jahr in und um Paris herum ähnlich wohl fühlen“, blickt er voraus und verweist darauf, dass es ihm und seinem Team eine Ehre sei, die Veranstaltung 2020 zu organisieren.
Der Präsident des französischen Linkshänder-Verbandes gerät ins Schwärmen, wenn er über die Metropole an der Seine spricht. Nach seinen Worten wurden die vier Plätze bereits definiert, auf denen die WM laufen soll. Darunter ist der renommierte Albatross-Kurs der Anlage Le Golf National, wo 2018 der Ryder Cup stattfand.
„Die Vorbereitungen haben bereits begonnen“, erläutert Lacam. Er verrät, dass das Rahmenprogramm einen Besuch im Schloss Versailles sowie eine Schifffahrt auf der Seine enthalten wird. Ob auch die Besichtigung einer Champagner-Kellerei dazugehört?
When The Saints Geleitet von Dirigent Thomas Pack, spielten die Bläser des Musikvereins Bontkirchen zur Siegerehrung virtuos auf. Das Publikum dankte es mit lang anhaltendem Applaus. Fotos: Andreas Berthel, Andrea Erger, Jörg Schirmak, nh
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