Gesundheit
Veröffentlicht am: 28.12.2025 16:52, Lesezeit: 5 Minuten

Wie ein Lottogewinn: Stammzellenspende rettet Leben

Mit dem Thema Stammzellspende hat David Kues täglich zu tun. In der Klinik für Hämatologie und Medizinische Onkologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) kümmert sich der Medizinische Fachangestellte (MFA) um an Blutkrebs erkrankte PatientInnen, denen gespendete Stammzellen transplantiert werden sollen. Dass er selbst einmal als Spender ausgewählt und zum Lebensretter wird, hielt Kues für ähnlich wahrscheinlich wie einen Lottogewinn – bis es passiert ist.

Das Organisationstalent rund um die Stammzelltransplantationen

David Kues ist ein Organisationstalent. Als Medizinischer Fachangestellter (MFA) in der Klinik für Hämatologie und Medizinische Onkologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) bereitet er die Sprechstunden der ÄrztInnen vor und sorgt dafür, dass seine PatientInnen vor und nach einer Stammzelltransplantation alle notwendigen Behandlungen erhalten.

Dabei begleitet Kues die Erkrankten meist über mehrere Jahre und kümmert sich gemeinsam mit ÄrztInnen und TeamkollegInnen intensiv um ihr Wohlergehen.

„In der Regel kommen die PatientInnen mit Leukämie oder einer anderen Blutkrebserkrankung erst dann für eine Stammzelltransplantation zu uns, wenn der Krebs mit herkömmlichen Chemotherapien nicht mehr gut zu behandeln ist“, erklärt Kues.

Auf diese Weise hat er meist mit schwer erkrankten Menschen zu tun, die eine Zweit- oder Dritt-Therapie durchlaufen. Ihr Leid ist dem 28-Jährigen täglich vor Augen. Aber ebenso kennt Kues die positiven Geschichten, in denen durch eine Stammzellspende das Leben einer Patientin oder eines Patienten gerettet wird.

Stammzellspender werden immer gesucht

Der Gedanke, selbst einmal als Stammzellspender gebraucht zu werden, war für Kues weit weg. Bereits mit 18 Jahren ließ er sich bei einer Aktion an der Gesamtschule Moringen typisieren. Umso überraschender für ihn, als Kues im Dezember 2024 erfuhr, dass er zum Spender für einen völlig unbekannten, aber genetisch ähnelnden Menschen werden könnte.

Den entsprechenden Anruf erhielt er von einer ihm gut bekannten Arbeitskollegin aus der Transfusionsmedizin der UMG. Die Frage, ob er nach wie vor zur Stammzellspende bereit ist, hat der Familienvater schnell bejaht.

„Er hätte zu diesem Zeitpunkt oder später aber auch noch problemlos absagen können“, erklärt Dr. Beatrix Pollok-Kopp, Oberärztin in der Zentralabteilung Transfusionsmedizin der UMG. „Es ist uns ganz wichtig, dass sich niemand zur Spende gedrängt fühlt – unabhängig davon, ob sie oder er sich hat typisieren lassen.“

Globale Suche nach dem Match in globalen Spenderdateien

In Deutschland sind über zehn Millionen Menschen typisiert, allein in der Region Göttingen bei der KMSG rund 34.000. Wenn eine Patientin oder ein Patient eine Spende benötigt, wird weltweit nach einer Übereinstimmung in den Spenderdateien gesucht.

„An der UMG zählen wir jährlich etwa 40 solcher sogenannten Matches. In den meisten Fällen kommt es dann auch zu einer Spende, sofern nicht medizinische Gründe dagegensprechen“, so Dr. Pollok-Kopp.

Rundum Versorgung bei der Apherese

Bis zur Stammzellspende von David Kues vergingen danach noch rund zwei Monate. „Vor allem musste der*die erkrankte Patient*in auf die Transplantation der Stammzellen vorbereitet werden. Für mich als Spender war die Sache unkompliziert“, berichtet der MFA. Seine Merkmale wurden zunächst erneut überprüft.

Außerdem setzte er sich in den letzten fünf Tagen bis zur Spende morgens und abends jeweils selbst eine kleine Spritze, um die Ausschüttung der Stammzellen aus dem Knochenmark in die Blutbahn anzuregen. Im Februar 2025 erfolgte schließlich die eigentliche Spende, die MedizinerInnen als Apherese bezeichnen.

Dabei werden die Stammzellen mithilfe einer Zentrifuge aus dem Blut der Spender herausgefiltert. Das Blut fließt anschließend über einen zweiten Venenzugang zurück in den Körper.

„Die Apherese hat bei mir knapp fünf Stunden gedauert. In dieser Zeit musste ich liegenbleiben, wurde aber auch rundum versorgt. Etwa die Hälfte der Zeit habe ich einfach geschlafen“, blickt der UMG-Mitarbeiter zurück.  

Am Ende zählt, dass dem Menschen geholfen wird

Die Rundumversorgung beginnt allerdings nicht erst im Aphereseraum der Transfusionsmedizin. Übernommen werden zum Beispiel auch Hotelübernachtungen, Verdienstausfall und Fahrtkosten für den Spender und eine Begleitperson.

 „Außerdem habe ich als Dankeschön einen Einkaufsgutschein erhalten. Aber das war nicht wirklich wichtig. Gezählt hat der Gedanke, dass da ein Mensch auf meine Stammzellen wartet“, so Kues.

Gute Fortschritte und auf dem Weg der Genesung

Von ebendiesem Menschen weiß Kues mittlerweile, dass sie oder er die gespendeten Stammzellen gut angenommen hat und auf dem Weg der Genesung gute Fortschritte macht. Name, Nationalität oder Alter kennt Kues nicht. Ein persönliches Kennenlernen zwischen dem*der Spendenempfänger*in und ihm darf aus rechtlichen Gründen frühestens in zwei Jahren erfolgen, sofern beide Seiten zustimmen.

„Ein Kennenlernen wäre schön, ist aber nicht entscheidend. Es ist einfach ein gutes Gefühl, dass ich helfen und wahrscheinlich ein Leben retten konnte. In meiner Familie ist man schon ein wenig stolz auf mich. Und hier unter den ArbeitskollegInnen ist es einfach eine wunderbar schöne Geschichte“, schließt David Kues zufrieden.

Werde selbst StammzellenspenderIn

Wer sich selbst als potenzielle*r Stammzellspender*in registrieren lassen möchte, erhält online unter https://transfusionsmedizin.umg.eu oder telefonisch unter 0551 / 39-62391 alle Informationen dazu.

Textquelle: Universitätsmedizin Göttingen 

Fotonachweis: Universitätsmedizin Göttingen, Martin Wilmsmeier

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