Göttingen. Die Medizinische Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen, Universitätsmedizin Göttingen (UMG), verleiht die Ehrendoktorwürde („Dr. med. h. c.“/Doctor Medicinae Honoris Causa) an Dr. Leon Weintraub als besondere Anerkennung für seine unerschütterliche Haltung gegenüber Leid und Ungerechtigkeit, für sein medizinisches Wirken und sein lebenslanges Engagement für Toleranz und Menschenrechte. Die Öffentlichkeit ist zu der Veranstaltung herzlich eingeladen.
Dr. Leon Weintraub erzählt über Geschehnisse des Holocausts
Dr. Weintraub studierte nach dem 2. Weltkrieg Humanmedizin an der Medizinischen Fakultät in Göttingen – begann sein Studium vor genau 80 Jahren – und blieb seiner Studienstadt stets verbunden. Der 100-Jährige ist Überlebender des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau sowie weiterer Konzentrationslager. Er hält seit mehr als 30 Jahren Vorträge in Deutschland und Polen und berichtet als Zeitzeuge über die Geschehnisse des Holocausts.
Laudator ist Prof. Dr. Sascha Feuchert, Germanist und Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur sowie Geschäftsführender Direktor des Instituts für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Überlebender des Holocaustes und des Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau
Dr. Leon Weintraub, geboren am 1. Januar 1926 im jüdischen Armenviertel in Łódź, Polen, ist Überlebender des Holocausts und des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau sowie weiterer Konzentrationslager. Nach Ende des 2. Weltkrieges begann er 1946 sein Studium der Humanmedizin in Göttingen und kehrte 1950 nach Warschau, Polen, zurück.
Im Jahr 1953 legte er seine Abschlussprüfung in Medizin ab und arbeitete ab 1954 als Assistenzarzt an der ersten Klinik für Frauenkrankheiten und Geburtshilfe der Medizinischen Akademie Warschau (heute: Medizinische Universität Warschau). 1956 folgte eine Festanstellung an der Klinik. Er promovierte 1966 und übernahm im selben Jahr als Oberarzt die Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe im Stefan-Batory-Kreiskrankenhaus in Otwock bei Warschau.
Weintraubs Vorträge an Schulen und Gedenkstätten
Aufgrund des wachsenden Antisemitismus und der März-Unruhen 1968 in Polen verlor er im Februar 1969 seine Oberarztstelle und emigrierte nach Schweden. Dort war er in verschiedenen Kliniken tätig, bis er 1991 in Ruhestand trat. Bis heute lebt er mit seiner zweiten Frau Evamaria Loose-Weintraub in Stockholm. Als Zeitzeuge setzt er sich seit Anfang der 1990er Jahre mit Vorträgen in Schulen und Gedenkstätten für die Erinnerung an den Holocaust ein.
Die Ehrendoktorwürde für besondere Verdienste
Mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde werden Persönlichkeiten geehrt, die sich durch besondere Verdienste um Wissenschaft, Technik, Forschungsförderung, Politik und Kultur im Kontext der Hochschulmedizin richtungsweisend hervorgetan haben und der Universitätsmedizin Göttingen und ihrer Medizinischen Fakultät besonders verbunden sind. Die Ehrendoktorwürde der Medizinischen Fakultät wurde zuletzt 2022 an Dipl.-Kfm., Dipl.-Pol. Heinz Rüdiger Strehl, von 2009 bis 2021 Vorsitzender des Stiftungsausschusses Universitätsmedizin Göttingen, verliehen.
Textquelle: UMG