Der erste Lehrstuhl für Palliativmedizin in Niedersachsen wurde im Jahr 2006 als W3-Stiftungsprofessur für Palliativmedizin mit Fördermitteln der Deutschen Krebshilfe an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) eingerichtet. Zum damaligen Zeitpunkt gab es in Deutschland nur vier weitere Lehrstühle für Palliativmedizin.
Öffentliches Forum für die Palliativmedizin
Zum 20-jährigen Jubiläum fand ein öffentliches Jubiläumsforum am Freitag, 28. August 2026, im Tagungs- und Veranstaltungshaus Alte Mensa am Wilhelmsplatz in Göttingen statt. Prof. Dr. Heidrun Golla, Direktorin der Klinik für Palliativmedizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), eröffnete die Veranstaltung und begrüßte die rund 150 Gäste.
Niedersächsischer Sozial- und Gesundheitsminister zu Gast in Göttingen
Dr. Andreas Philippi, Niedersächsischer Sozial- und Gesundheitsminister erklärte in seinem Grußwort: „Menschen in ihrer letzten Lebensphase nicht nur medizinisch zu behandeln, sondern sie zu begleiten und Würde, Lebensqualität und Selbstbestimmung zu wahren, ist eine der wichtigsten Aufgaben für eine humane Gesellschaft. Die Unterstützung der Hospizarbeit und Palliativmedizin ist nicht nur ein zentrales Anliegen der Landesregierung, sondern liegt mir auch persönlich am Herzen.“
„Hier in Göttingen können wir stolz auf das Erreichte sein. Mit dem Aufbau des Lehrstuhls wurde die Stadt zu einem zentralen Standort für Palliativmedizin in Deutschland. Hier verbinden sich wissenschaftliche Exzellenz und wissenschaftliche Expertise mit Menschlichkeit und Fürsorge“, so Dr. Andreas Philippi weiter.
Stadt Göttingen zeigt ihren Charakter
Dr. Ehsan Kangarani, ehrenamtlicher Bürgermeister der Stadt Göttingen, hob anschließend die Bedeutung der Palliativmedizin für die Stadt Göttingen und die Region hervor: „Eine Stadt zeigt ihren Charakter darin, wie sie mit Menschen in deren schwerster Zeit umgeht. In Göttingen ist in 20 Jahren aus einem Lehrstuhl etwas gewachsen, das heute von vielen gemeinsam getragen wird – von der Universitätsmedizin ebenso wie von einem Förderverein, von vielen Spender*innen und von über 100 Ehrenamtlichen, die schwerkranken Menschen und ihren Familien Zeit schenken.“
„Dieses Zusammenspiel von Spitzenmedizin und bürgerschaftlichem Engagement ist ein Glücksfall für unsere Stadt und die ganze Region.“
Palliativmedizin ist kein Randgebiet
Prof. Dr. Michael P. Schön, ständiger Vertreter des Vorstands Forschung und Lehre sowie Dekan für allgemeine akademische Angelegenheiten der UMG, sprach anschließend über den Mehrwert der Palliativversorgung an der UMG: „Palliativmedizin ist kein Randgebiet, sondern ein unverzichtbarer, fachübergreifender Bestandteil einer menschlichen Medizin. Sie erhält Lebensqualität in existenziellen Situationen, stärkt Patient*innen ebenso wie ihre Angehörigen und schafft Vertrauen in die Medizin.“
„Zugleich verbindet sie Versorgung, Wissenschaft und Ethik in besonderer Weise. Mit der Gründung der ersten professoral geleiteten Klinik für Palliativmedizin hat die Universitätsmedizin Göttingen vor 20 Jahren Maßstäbe gesetzt und die Palliativmedizin als festen Bestandteil von universitärer Forschung, Lehre und Krankenversorgung etabliert.“
Ein Ausblick auf künftige Herausforderungen der Medizin
Anschließend gaben Prof. Dr. Heidrun Golla und Prof. Dr. Friedemann Nauck, ehemaliger Direktor der Klinik für Palliativmedizin und erster Inhaber des Lehrstuhls für Palliativmedizin an der UMG, einen Überblick über die Entwicklung und den Aufbau des Palliativzentrums der UMG in den letzten zwei Jahrzehnten mit Ausblick auf künftige Herausforderungen, erforderliche Maßnahmen und Schwerpunkte.
Das Göttinger Palliativzentrum an der UMG
Unterstützt durch bürgerliches Engagement der Stadt Göttingen und des Landkreises, dem Förderverein für das Palliativzentrum und Kinderpalliativzentrum der Universitätsmedizin Göttingen e. V. sowie Spendengeldern und Fördermitteln der Deutschen Krebshilfe, trieb Prof. Nauck in den 17 Jahren als Klinikdirektor mit seinem Team den Auf- und Ausbau des neuen Göttinger Palliativzentrums an der UMG voran.
„Mein Ziel war es an der Universitätsmedizin und darüber hinaus, ein Angebot für eine besonders intensive und persönliche Betreuung unheilbar kranker Menschen zu schaffen“, so Prof. Nauck.
Für den Fortschritt in der Palliativmedizin
Das neue, an der UMG eingerichtete Palliativzentrum war und ist das erste seiner Art in Niedersachsen. Heute umfasst das Zentrum der UMG eine Palliativstation, einen innerklinischen Palliativdienst, eine Hochschulambulanz, einen Dienst der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV), einen Ehrenamtlichen Dienst mit mehr als 100 Ehrenamtlichen, den Bereich Trauerbegleitung sowie die angegliederte Stelle einer Hospiz- und Palliativ-Netzwerkkoordinatorin für die Stadt und den Landkreis Göttingen.
Darüber hinaus konnte mit „Caring Community Region Göttingen“ eine sorgende Gemeinschaft mit inzwischen zahlreichen Kooperationspartnern*innen geschaffen werden, in der Menschen niederschwellig verschiedene Hilfs-, Beratungs- und Unterstützungsangebote aus der hospizlichen und palliativen Versorgungslandschaft erhalten, sich gegenseitig unterstützen und füreinander da sind.
Nationaler und internationaler Forschungsbereich der UMG
Die Klinik für Palliativmedizin der UMG hat einen national und international anerkannten Forschungsbereich mit einem Schwerpunkt in der palliativen Versorgungsforschung hervorgebracht. Die Forschungsfelder umfassen im Wesentlichen Versorgungsstrukturen, Migration, geschlechtersensible Gesundheitsforschung, spezifische Krankheitsbilder, Symptomkontrolle und – in Kooperation mit dem Zentrum für Medizinrecht der Universität Göttingen – medizinethische und rechtliche Fragstellungen.
Mildred Scheel Akademie Göttingen präsentiert Bildungsangebot
Neben der etablierten und von Studierenden als wesentlich erachteten palliativmedizinischen akademische Lehre, stellt die krebshilfegeförderte Mildred Scheel Akademie Göttingen mit ihrem umfangreichen Bildungsangebot einen weiteren nicht wegzudenkenden Teil des Palliativzentrums dar.
Palliativmedizinische Versorgung im Ausbau
Prof. Golla, seit 1. Januar 2025 Lehrstuhlinhaberin und Direktorin der Klinik für Palliativmedizin, hat sich zum Ziel gesetzt, diese Strukturen zukunftsfähig weiterzuentwickeln.
„Ich möchte die palliativmedizinische Versorgung sowohl für Tumor- als auch für Nicht-Tumorpatient*innen ausbauen“, sagt Prof. Golla. „Neben der Versorgung von Krebspatient*innen stehen ebenfalls Patient*innen mit anderen unheilbaren, schweren Erkrankungen beispielsweise des zentralen Nervensystems oder die Kombinationen von mehreren Erkrankungen im Fokus unserer Arbeit.“
„Gesellschaftliche und demographische Veränderungen erfordern eine stetige Weiterentwicklung palliativmedizinischer Angebote. Dem möchten wir uns stellen.“
Textquelle: UMG
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