Schafft Kia mit dem EV5 den Weltauto-des-Jahres-Hattrick? 2024 wurde das Großraum-SUV EV9 zum „World Car of the Year 2024“ gekürt, im vergangenen Jahr holte sich dann das Kompakt-SUV EV3 den Titel. Nun steht das elektrische Pendant zum Kia Sportage in den Startlöchern – und erneut auf der Shortlist der besten zehn Kandidaten. Und das sicher nicht zu Unrecht, wie sich nach den ersten Runden mit dem Mittelklasse-SUV-Stromer feststellen lässt. Wissen werden wir es am 1. April, wenn auf der New York Auto Show die Preisverleihung stattfindet.
E-Autos, die den Markt verändern
Doch diesmal wird es eine knappe Kiste, sind doch zugleich neben der Konkurrenz aus dem eigenen Hause mit Hyundai Ioniq 9 und Palisade sowie dem Markenbruder Kia EV4 auch Klassen-Rivalen wie BMW iX3, BYD Seal 6 DM-i, Nissan Leaf oder aus der Verbrenner-Fraktion Audi Q5 und Toyota RAV4 nominiert. Tatsächlich betritt Kia mit dem EV5 ein Segment im Elektromarkt, das in Europa zur größten und am schnellsten wachsenden Fahrzeugklasse zählt. VW ID 4 und ID 5, Skoda Enyaq, Tesla Model Y oder Renault Scenic E-Tech geben hier den Ton an.
Der Kia EV5: Fahrkomfort auf hohem Niveau
Doch der koreanische Stromer kann vor allem in punkto Geräumigkeit und Fahrkomfort durchaus mithalten. Schon der erste Kontakt hinterlässt einen guten Eindruck. Mit seiner kantigen Erscheinung, der wuchtigen Fronthaube und der markentypischen Lichtsignatur schiebt er sich nahtlos in Kias Elektro-SUV-Familie zwischen EV3 und EV9. Die 4,61 Meter lange, 1,88 Meter breite und 1,68 Meter hohe Karosse wirkt mit ihrer klaren Linienführung und flächigen Gestaltung stattlich und selbstbewusst, fühlt sich im Stadtverkehr aber weniger sperrig an, als die Zahlen vermuten lassen.
Eine SUV mit einem Auge für Designdetails
Die hohe Sitzposition verschafft Überblick, die Karosserie lässt sich gut einschätzen, und die klare Formensprache hilft beim Rangieren. In der von uns gefahrenen Topversion GT-Line sorgen dazu dunkle Akzente, spezifische Felgen und Details in Hochglanzschwarz für einen dezenten sportlichen Anstrich. Auch wenn der Antrieb das nicht durchgängig widerspiegelt. Bis zu 160 kW (218 PS) überträgt die E-Maschine des EV5 auf die Vorderräder. Wie bei Elektroautos üblich steht sein maximales Drehmoment von 295 Newtonmeter vom Start weg zur Verfügung, mit dem das mehr als zwei Tonnen schwere SUV in 8,4 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt.
Kein sportliches Ausrufezeichen für den EV5?
Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 165 Stundenkilometern. Das reicht für den Alltag zwar völlig aus, setzt aber kein sportliches Ausrufezeichen. Im Vergleich ist er damit sogar langsamer als der kleine Elektro-Bruder EV3, der trotz geringerer Leistung (150 kW) die 100er-Marke bereits nach 7,7 Sekunden erreicht. Das höhere Gewicht und die Größe schlagen hier voll zu Buche.Auch technisch muss man Abstriche machen. Zwar setzt der EV5 auch auf die E-GMP-Plattform, verzichtet jedoch auf die 800-Volt-Architektur der größeren Brüder EV6 und EV9.
Realistischer Blick auf Kias Elektro-Autos
Das bedeutet für die 81,4 kWh große Batterie mit maximal 150 kW Ladezeiten von rund 30 Minuten für 10 bis 80 Prozent. Klassenüblich zwar, aber nicht herausragend. Auch die Reichweite bleibt eher realistisch als rekordverdächtig: mit 18-Zoll-Rädern sollen bis zu 530 Kilometer möglich sein, der von uns gefahrenen GT-Line mit 19-Zoll-Bereifung soll schon 25 Kilometer früher der Saft ausgehen. Auch hier schafft es der kleinere EV3 mit identischem Akku gut 100 Kilometer weiter. Nach unserer Probefahrt bei frühlingshaften Temperaturen von 16 Grad in und um Barcelona mit vielen bergigen Passagen pendelte sich der Verbrauch bei 23,4 kWh pro 100 Kilometer ein – kein Spitzenwert, aber angesichts von Größe und Gewicht immer noch im Rahmen.Im Stadtverkehr überzeugt der EV5 dafür mit seiner ausgewogenen Abstimmung.
Stabilität und Ruhe auf schlechten Straßen
Trotz der Größe fühlt sich das E-SUV handlich an, was auch am langen Radstand von 2,75 Meter liegt. Er sorgt für Stabilität und Ruhe, selbst auf schlechten Straßen. Angenehm ist die Bedienung der Rekuperation. Über Lenkradwippen lassen sich mehrere Stufen einstellen, ergänzt durch einen automatischen Modus und i-Pedal-Drive. Die Übergänge zwischen Segeln, Verzögern und Bremsen wirken harmonisch und gut kontrollierbar.Auf der Landstraße bestätigt sich dieser Eindruck. Das Fahrwerk filtert Unebenheiten souverän weg. Die Lenkung ist leichtgängig, wenn auch eher synthetisch, bietet aber ausreichend Präzision.
Eine gute Lösung für die Assistenzsysteme
Auch bei zügiger Fahrt auf der Autobahn bleibt das Auto ruhig und kontrollierbar, ohne den Fahrer zu fordern und präsentiert sich damit als komfortorientierter Reisewagen. Wind- und Abrollgeräusche nehmen erst bei höheren Geschwindigkeiten hörbar zu. Die zahlreichen Assistenzsysteme arbeiten weitgehend unauffällig, bis auf die EU-weit vorgeschriebenen Pieperei. Doch wenigstens für die nervigsten drei hat Kia eine patente Lösung gefunden. Durch längeres Drücken der Lautstärkewalze rechts auf dem Lenkrad lässt sich die Tempowarnung schnell deaktivieren, durch kurzes oder längeres Drücken der linken Taste werden Lenk- und Spurhalteassistent außer Funktion gesetzt. Überhaupt herrscht im Innenraum Funktionalität mit Wohlfühlanspruch.
Intuitives Cockpit mit solidem Eindruck
Das Cockpit wirkt aufgeräumt, die bekannte durchgehende Displaylandschaft, bestehend aus zwei 12,3-Zoll-Bildschirmen für Kombiinstrument und Infotainment sowie einem 5,3 Zoll großen Screen für die Klimasteuerung dazwischen, ist logisch integriert und intuitiv bedienbar. Für die Standardfunktionen gibt es darüber hinaus zahlreiche analoge Tasten. Materialien und Verarbeitung machen einen soliden Eindruck. Was man anfasst, fühlt sich gut an, im unteren Bereich kommt allerdings auch harter Kunststoff zum Einsatz. Die Sitze sind klar auf Langstreckenkomfort ausgelegt, in der GT-Line sorgt ein Massagesitz für zusätzliche Entspannung.
Die große Stärke des EV5: Die Geräumigkeit
Eine der großen Stärken des EV5 ist außerdem seine Geräumigkeit. Dank des langen Radstands genießen auch großgewachsene Fondpassagiere auf den hinteren Plätzen eine komfortable Bein- und Kopffreiheit. Dahinter fasst der Kofferraum 566 Liter, bei umgeklappten Rücksitzen auch bis zu 1650 Liter. Die topfebene Ladefläche ließe sich sogar zu einem Wochenend-Schlafplatz umfunktionieren. Hinzu kommt ein rund 44 Liter großer Frunk unter der Fronthaube als Stauraum fürs Ladekabel. Auch darf der EV5 bis zu 1200 Kilogramm ziehen und verfügt (in der Topversion GT-Line) über eine V2L-Funktion, mit der externe Geräte betrieben werden können – ein Pluspunkt für Camping, Handwerk oder Outdoor-Einsätze.
Autopreise, die überzeugen können?
Bei den Preisen bewegt sich der Kia EV5 auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Die Basisversion „Air“ startet bei 45.990 Euro und bringt bereits 18-Zoll-Felgen, Navigation, Zweizonen-Klimaautomatik, Rückfahrkamera, Smart-Key und umfangreiche Assistenzsysteme inklusive Autobahnassistent mit. Die mittlere Linie „Earth“ (ab 48.990 Euro) ergänzt 19-Zoll-Räder, 3-Zonen-Klimaautomatik, Wärmepumpe, beheizbares Lenkrad, elektrische Sitze und eine sensorgesteuerte Heckklappe.
Die Topversion „GT-Line“ (ab 51.990 Euro) setzt neben den schwarzen Akzenten auf Komfortfeatures wie Massagesitz, Harman/Kardon-Soundsystem, Ambiente-Licht und V2L-Funktion. Unabhängig von der Ausstattungslinie bleibt Kias Sieben-Jahres-Garantie ein starkes Argument, gerade im Elektro-Segment, in dem viele Käufer auf langfristige Sicherheit setzen. Unterm Strich zeigt der EV5 damit eine klare Positionierung: Er ist nicht der sportlichste oder technisch radikalste Vertreter seiner Klasse, aber einer, der im täglichen Fahren überzeugt, mit Ruhe, Komfort und einem stimmigen Gesamtpaket aus Raum, Ausstattung und Preis.
Und das könnte am Ende auch die 98 Motorjournalisten aus 33 Ländern der WCOTY-Jury erneut überzeugen.
Textquelle: aum
Daten Kia EV5 Länge x Breite x Höhe (m): 4,61 x 1,88 x 1,68 Radstand (m): 2,75 Antrieb: Elektrisch, 160 kW (218 PS), Frontantrieb, Automatikgetriebe. Max. Drehmoment: 295 Nm Höchstgeschwindigkeit: 165 km/h Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 8,4 Sek.WLTP-Durchschnittsverbrauch: 16,9 kWh (18-Zoll-Bereifung) Batteriekapazität: 81,4 kWh Reichweite (WLTP): max. 530 km (18-Zoll-Bereifung) Max. Ladeleistung: 11 kW AC/ 150 kW DC Leergewicht / Zuladung: 2069 kg / 511 kg Kofferraumvolumen: 566-1650 Liter + 44,4 Liter (Frunk) Anhängelast: 1200 kg Preis: ab 45.990 Euro