Herr Zollner, die Pläne für Ihren Golfplatz sind ja gut und schön, aber da fehlt ja noch die gesamte Statik.“ „Statik? Wofür denn eine Statik?“ „Na, für die Bunker, die Sie dort oben bauen wollen!“
So oder ähnlich soll es sich, den Erzählungen zufolge, etwa im Jahr 1987 in einer Amtsstube des zuständigen Bauamtes zugetragen haben, als der Oberaulaer Unternehmer Hans-Michael Zollner die Planungsunterlagen für einen neu zu errichtenden Golfplatz oberhalb des mittelalterlichen Schlosses zu Hausen zur Genehmigung vorlegte.
Die Legende des Kurhessischen Golfclubs Oberaula
Ganz gleich, ob reine Legende oder mit einem Funken Wahrheit versehen, diese Anekdote, die gern im Kurhessischen Golfclub erzählt wird, gewährt einen Eindruck davon, wie exotisch die Sportart Golf den Bürgern im ländlichen Umland zwischen Bad Hersfeld und Schwalmstadt vor nunmehr fast 40 Jahren vorgekommen sein muss.
Ein Dorn im „rechten“ Auge
In den frühen achtziger Jahren sorgte das nordhessische Oberaula im Sportteil der Zeitungen nicht unbedingt für journalistisch relevanten Inhalt. Schlagzeilen bescherten dem Ort seinerzeit häufiger die Zusammenkünfte gewisser alter Kameradschaften. Was manch einer im Ort „willkommenen Tourismus“ nannte, war anderen schon damals ein Dorn im rechten Auge. Zu letzteren zählte sich auch Hans-Michael Zollner.
Hans-Michael Zollner: Ein Visionär gegen das Gestrige
Als Wehrpflichtiger war Zollner in den sechziger Jahren im nahen Bundeswehrstandort Schwarzenborn stationiert. Beim Besuch der Dorfkirmes lernte der Rekrut eine junge Dame kennen, die seine spätere Frau wurde. So beschloss der gebürtige Niedersachse zu bleiben.
Als Immobilienunternehmer entwickelte er eine Leidenschaft fürs Bauen und als Wahl-Oberaulaer war er überzeugt, dass ein modernes Trendsportangebot für Jugend und Erwachsene auch - und insbesondere auf dem Land - das beste Mittel gegen schon damals ewig gestriges Gedankengut sei.
Ein Tennisplatz (nicht nur) für die Jugend
Der Initiative des Visionärs Zollner verdanken die Oberaulaer ihre Tennisanlage, die schon bestand, bevor Boris Beckers Wimbledonsieg einen Hype für den Sport auslöste. Aus zwei Tennisplätzen wurde schließlich eine Clubanlage mit Tennishalle.
Man mag dem leidenschaftlichen Tennisspieler Zollner - und ersten Vorsitzenden des von ihm gegründeten TC 1980 Oberaula - nachsagen, dass er das Projekt ja nicht ganz ohne Eigennutz verwirklichte, die damit einhergegangene Förderung des Jugend- und Freizeitangebotes in der Gemeinde ist jedoch zweifellos unbestreitbar.
Das Projekt Golf in Oberaula
Hans-Michael Zollners Stimme hatte also schon ein gewisses Gewicht in den Gremien der Gemeindepolitik, als er gemeinsam mit Freund und Hotelbetreiber Karl Lepper das nächste Großprojekt in Angriff nahm.
Mit Bernhard Langer leuchtete ein deutsches Sportidol an der Golfweltspitze, jedoch zwischen Fulda und Kassel bot sich weit und breit keine Möglichkeit, diesen Sport zu betreiben. So war die Mission klar: Ein Golfplatz sollte her.
Eine Idee nimmt Gestalt an
Zollner hatte die Ideen, Lepper die Kontakte. So wurde Peter Bickhardt, ein langjähriger Schulfreund Leppers, Bauunternehmer im nahen Kirchheim und Hobbygolfspieler für das Projekt gewonnen. Zollner gilt als der kreative Architekt des Projektes. Er beauftragte die Deutsche Golf Consult aus Essen mit der Planung eines Platzlayouts eingebettet in das Gelände, dass er zuvor von Baron Eppo von Dörnberg in Oberaulas Nachbarort Hausen langfristig gepachtet hatte.
Das Golfwunder von Oberaula
Zudem gründete er mit unternehmerischem Weitblick die Betreibergesellschaft GOFA, deren Anteilseigner mit einer Investitionssumme von 3 Millionen DM zur Finanzierung des Projektes beitrugen.
Der Bau des Golfplatzes auf dem zuvor kümmerlichen mit Steinen überhäuften Gelände (O-Ton Eppo von Dörnberg) dauerte weniger als zwei Jahre und wurde als das Golfwunder von Oberaula in der hessischen Fach- und Lokalpresse betitelt.
Zollners Visionen: Von der Golfanlage zum Hotelprojekt
Hans-Michael Zollner hatte seine Vision auf den Weg gebracht und sah seine Mission in insoweit erfüllt. Während Peter Bickhardt als Gründungspräsident des neu geschaffenen Kurhessischen Golfclubs nun begann, dem Spiel- und Turnierbetrieb in Oberaula eine Struktur zu verschaffen, orientierte sich Zollner bereits neu.
Nach dem Mauerfall wendete er sich einem Hotelprojekt an der mecklenburgischen Ostseeküste zu, und investierte in Bauherrenmodelle in den neuen Bundesländern. Zeit zum Golfspielen blieb nur wenig.
Der Gründer im Hintergrund
In den frühen Chroniken und Turnierlisten des Kurhessischen Golfclubs taucht der Name Zollner tatsächlich eher sporadisch auf. Gelegentlich konnte man ihn in markant farbenfrohem Outfit unter den Herrengolfern antreffen. Er war kein Mann der lauten Worte und nie ein Freund von langen Reden.
Die vorderste Reihe der Clubrepräsentanz überließ er wohlüberlegt lieber anderen. Sein beständiges Engagement für den neuen Golfclub hielt er immer im Hintergrund. Auf seinen Rat und seine Hilfe konnte man jederzeit zählen. Für seine Verdienste wurde ihm schon bald die Ehrenmitgliedschaft verliehen.
Mit Zigarette und Golfcart unterwegs
Die jüngeren Clubmitglieder kannten ihn, wie er in seinem privaten Golfcart von zuhause zum Golfplatz bis direkt an den Abschlag der Bahn 1 fuhr, die obligatorische Zigarette gegen den Driver tauschte und nach einem halben Probeschwung, den Ball, man möchte fast sagen emotionslos, auf den Fairway von „Zollners Ground“ beförderte.
Unspektakuläre Präzision bei Zollners Golfspiel
Viele, die mit ihm aufteeten, vermochten den Ball weiter zu schlagen, spätestens am Grün machten ihm aber nur wenige etwas vor. Mit unspektakulärer Präzision lag der 'Dritte' immer irgendwie nah am Stock und ließ das Par mit einem Putt so einfach erscheinen.
Wer ihn auf dem Golfplatz kennenlernte, wird sich an einen Golfer erinnern, dessen ganz eigener Humor nicht selten genauso unerwartet in die Runde platze, wie ein im tiefen Rough gefundener Spielball.
Ein Lebenswerk mit Nachhaltigkeit für die Region
In der neuesten Zeit war es Hans Michel Zollner ein besonderes Anliegen, „seinen Club“ mit dem Amtsantritt des aktuellen Vorstands in vielen Bereichen zu unterstützen. Mit seiner Initiative konnten Investitionen in Außenanlagen, Simulatortechnik und vieles mehr vorgenommen werden. Die Zollner Championships, eines der bestbesuchten Clubturniere, ist in 7. Auflage fester Bestandteil im Clubkalender.
Oberauler Golfclub verliert Wegbereiter und Förderer
Im Dezember 2025 ist Hans-Michael Zollner im Alter von 83 Jahren verstorben. Der Golfsport in Oberaula hat mit seiner Person einen Wegbereiter und Förderer verloren, der die Entwicklung des Breitensports in der Region geprägt hat. Die Golfer und Golferinnen in Oberaula werden einen Freund vermissen.