Es beginnt mit dem Fokus. Mit einem Atemzug. Mit dem Driver zwischen den Fingern und dem Gedanken, dass sich etwas verändern muss. Marvin Oldfield stammt ursprünglich aus Schaumburg. Heute ist Mainz sein Zuhause – oder doch die vielzähligen Golfdestinationen, die er auf seiner Reise entdeckte?
Der 31-Jährige spricht offen darüber, wie sein Leben sich für viele Jahre aus Leistung, Produktivität und Effizienz definierte. Das Motto: Immer 100 Prozent geben, niemals Schwäche zeigen und keine Pausen.
„Irgendwann war da kein Platz mehr für Emotionen… Kein Platz mehr für das Leben“, teilt Oldfield mit seiner Community auf Social Media.
BirdieBike: Golf, Bewegung und bewusstes Reisen
Sport begleitet Oldfield bereits sein ganzes Leben – genauso wie die Neugier, der Drang, sich zu bewegen und der Wunsch, Dinge ganz anders zu denken. 2025 fasste er dann den Entschluss: Er brauchte eine Reise, die ihn verändern würde. Nur er, sein Fahrrad und fünf Golfschläger im Gepäck. Seine ganz eigene Golf-Bikepacking-Tour.
„Ich will wieder spüren, wie sich das echte Leben anfühlt. Ich will zeigen, dass Golf nicht nur ein Sport für die Elite ist, sondern voller Magie, voller Emotionen und voller Menschlichkeit steckt“, äußerte Oldfield und nahm über Social Media seine Community mit auf die Reise.
Im Interview spricht er offen und ehrlich über seine Tour, über Herausforderungen und warum er es jedem weiterempfehlen würde.
Sich selbst im Alltag verlieren, aber sich im Golf wiederfinden – wie war das für dich möglich?
Golf ist für mich einer der wenigen Orte, an denen mein Kopf wirklich still wird. Im Alltag denkt man ständig voraus, löst Probleme und funktioniert. Auf dem Golfplatz gibt es im Gegensatz nur diesen einen Moment: den Stand, den Schwung und den Ball.
Alles andere fällt weg.
Gerade durch meine Bikepacking-Reise habe ich gemerkt, wie stark Golf mich wieder in den Moment bringt – selbst, wenn ich müde bin, Gegenwind habe oder der Körper schmerzt. Es ist wie eine Form von Meditation in Bewegung.
Der Golfsport vereint Generationen – weltweit: Doch wie kamst du zum Golf?
Ich habe mit zehn Jahren angefangen Golf zu spielen und war als Jugendlicher ziemlich ambitioniert. Ich hatte früh ein einstelliges Handicap, doch später kamen Abitur, Studium und andere Interessen dazu. Während dieser Zeit habe ich Golf fast komplett aus den Augen verloren. Nach Corona habe ich über meine Familie wieder Zugang zum Golf gefunden – und es dann mit meinem neuen Hobby dem Bikepacking kombiniert. Dadurch hat der Sport für mich eine völlig neue Bedeutung bekommen.
Den Mut finden, um etwas Neues zu wagen, ist für viele eine fast unüberwindbare Hürde – wann war für dich der Moment, in dem du wusstest, dass du etwas an deinem Leben verändern musstest?
Das war kein einzelner Moment, sondern ein schleichender Prozess. Ich habe gemerkt, dass ich zwar funktioniere, aber innerlich immer weniger spüre. Alles war auf Leistung, Tempo und Effizienz ausgelegt.
Irgendwann wurde mir klar: Wenn ich jetzt nichts ändere, verliere ich den Kontakt zu mir selbst. Die Reise war mein bewusster Schritt raus aus diesem Autopiloten.
Du bezeichnetest es als verrückte Idee, andere sehen darin eine unvorstellbare Reise: Warum hast du dich ausgerechnet für eine Bikepacking-Tour entschieden?
Bikepacking ist für mich die ehrlichste Form des Reisens. Du bist langsam genug, um die Welt wirklich wahrzunehmen, und gleichzeitig schnell genug, um große Distanzen zu überwinden. Du erlebst jeden Kilometer, jeden Wind und jede Steigung. In Kombination mit Golf war das für mich die perfekte Verbindung aus Bewegung, Natur und Spiel.
Das Abenteuer mit dem Golfspiel zu vereinen ist eine Challenge für sich – du hast es einfach direkt umgesetzt und dir dein Fahrrad und deine fünf Schläger geschnappt und bist durch Europa getourt. Was war dabei deine größte Herausforderung?
Ganz klar der eigene Körper – und der eigene Kopf. Nach 80 oder 100 Kilometern Radfahren noch einen Golfplatz zu spielen, verlangt viel Fokus und mentale Stärke. Man muss akzeptieren, dass nicht jeder Schlag perfekt ist.
Gerade das hat mich aber extrem fasziniert: Weil Golf unter diesen Bedingungen noch ehrlicher wird.
Du sprichst aber auch von anderen Herausforderungen, die du dir selbst gesetzt hast. Welche waren das – und konntest du deine Ziele erreichen?
Ich wollte mit nur fünf Schlägern spielen und oft direkt nach langen Etappen auf den Platz gehen. Dazu kamen kleine mentale und physische Herausforderungen. Nicht alle Ziele habe ich erreicht – aber genau das macht die Reise für mich authentisch. Es ging nicht um Perfektion, sondern um Erfahrungen.
Auf deiner Golf Bikepacking Tour hast du viel gesehen und erlebt – welche Golfanlage war jedoch dein heimlicher Favorit?
Der Golfplatz in Besançon. Dort habe ich auf der Driving Range geschlafen, morgens bei Sonnenaufgang Bälle geschlagen und eine unglaubliche Gastfreundschaft erlebt.
Es war weniger Luxus und mehr Seele – und genau das ist für mich der wahre Kern von Golf.
Was war dein persönliches Feedback von der Reise – und vor allem: Würdest du es anderen empfehlen ebenfalls zu probieren?
Auf jeden Fall. Man muss nicht 1.600 Kilometer fahren. Aber man sollte sich trauen, seine eigene Version davon zu leben. Golf und Bewegung sind eine fantastische Kombination – für den Körper und vor allem für den Kopf.
Wäre deine Tour eine Dokumentation, welchen Titel würdest du ihr geben?
Ich gebe meinen Etappen im YouTube-Format bereits einzelne Titel. Für die gesamte Reise würde ich sie nennen: „1.600 Kilometer zurück ins Jetzt – Zwischen Fairways und Bike-Trails.“
Ist für dieses Jahr eine neue Tour geplant? Welche Ziele hast du dir gesetzt und würdest du etwas anders machen, wenn du könntest?
Ich lasse mir das bewusst offen. Aber eine Deutschland-Tour zu den schönsten Golfplätzen, kombiniert mit Bikepacking und Begegnungen, reizt mich sehr. Es gibt hier unglaublich viel zu entdecken.